Lässt mich gespalten zurück

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readaholic Avatar

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Leonora Bloch putzt seit Jahrzehnten im Haus von Dr. Bronstett, dem Geschäftsführer eines bekannten Berliner Kaufhauses. Sie haben kaum Berührungspunkte, denn er ist selten zuhause und Leonora Bloch legt keinen Wert auf Kontakte mit anderen Menschen. Sie ist so verschlossen wie die namensgebende Auster.
Eines Morgens betritt sie Dr. Bronstetts Haus und findet ihn tot und verstümmelt auf dem Boden liegend vor. Anstatt die Polizei zu rufen, putzt sie in aller Ruhe das Blut weg und wienert Oberflächen und Türklinken. Darüber habe ich mich dann doch etwas gewundert, denn als Krimifan müsste Leonora es eigentlich besser wissen. Aber vielleicht war es ja der Schock darüber, ein Mordopfer vorzufinden.
In diesem Roman ist alles ein wenig anders als bei anderen Krimis. Die Polizei spielt keine große Rolle bei der Aufklärung des Falls, beziehungsweise agiert im Hintergrund. Stattdessen macht sich Leonora ihre Gedanken, wer ihren Arbeitgeber ins Jenseits befördert haben könnte. Bis sie auf die Lösung kommt, vergehen allerdings viele Seiten und der Fortgang ist zäh. Wir erfahren viel über Leonoras einsames und freudloses Leben, man bekommt die Informationen häppchenweise und wie ein Puzzle präsentiert. Es gibt sehr viele Nebenschauplätze und Personen in ihrer Umgebung, über die man Belanglosigkeiten erfährt. Ihr einziger näherer Kontakt ist der ambitionslose schwule Kaufhausdetektiv Friedhelm, doch auch hier wird vieles nur angedeutet, was ich als frustrierend empfand. Eine Zeitlang war sie wohl mit einem Mann zusammen, den sie nur als „den Zahnarzt“ bezeichnet, doch man erfährt so gut wie nichts über die Beziehung und darüber, weshalb sie endete. Das ganze Buch enthält keinerlei Gefühlsregung von Leonora, sie blieb mir entsprechend fremd und durch ihre Gefühlskälte unsympathisch.
Was Yael Inokais nüchternen Schreibstil anbelangt, bin ich sehr gespalten. Einerseits seziert sie Situationen messerscharf mit Worten, andererseits gingen mir ihre elliptisch verkürzten Sätze zunehmend auf die Nerven: „Ein beachtenswertes Durchhaltevermögen. Oder dumme Eitelkeit. Schwierig zu sagen.“ Das ganze Buch lässt mich sehr gespalten zurück. Das Ende fand ich interessant und gut gelöst, aber im Großen und Ganzen habe ich mich doch ziemlich durch die Seiten und die Befindlichkeiten der einzelnen Personen gequält. Deshalb vergebe ich leider nur drei Sterne für „Die Auster“.