Mehr als ein kleiner Krimi

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aoibheann Avatar

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Ein Buch, dass auf den ersten Blick eher unscheinbar daherkommt. Eine kleine Kriminalgeschichte, nett, unterhaltsam, relativ ruhig. Aber dahinter versteckt sich mehr. Die Geschichte ist eine sehr schöne Gesellschaftsstudie. Denn Leonore Bosch ist eine fantastische Beobachterin. Als Reinigungskraft ist sie es gewohnt für den Rest der Menschen unsichtbar zu sein. Übersehen zu werden. Das gibt ihr die Möglichkeit ihre Umgebung genau zu beobachten und ziemlich treffsicher zu analysieren. Nicht, dass sie mit ihren Erkenntnissen hausieren gehen würde. Das ist nicht Leonores Stil. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken und lebt dann ihr Leben weiter. Und diese Beobachtungen sind nicht immer schön, liebevoll oder lustig. Ehrlicherweise sind sie häufig sogar traurig. Die Geschichte wird von einer fühlbaren Schwere und Traurigkeit durchzogen. Und dazwischen schleicht sich eine Spur von Humor ein. Galgenhumor oft, im Angesicht der Umstände der Figuren. Bei allem Ernst und Schwere, die man beim Lesen auch merkbar spürt, zucken die Mundwinkel dann hin und wieder doch ganz verschämt. Weil ein Vergleich abstrakt und schräg und doch so zutreffend. Weil man sich Leonores trockenes "Aha" in einigen Situationen so gut vorstellen kann. Aber Lachen fühlt sich in dem Moment auch irgendwie falsch an, auch wenn man als Leser nur der Zuschauer von ganz außen ist.
Alle Figuren sind toll aufeinander abgestimmt, wie in einem gut funktionierendem Uhrwerk. Und Yael Inokei gibt dem Ganzen mit ihrer schönen, ruhigen und präzisen Sprache einen wunderbaren Rahmen. Ich habe irgendwann total vergessen, dass es in der Geschichte ja auch noch einen Kriminalfall zu lösen gibt. Mich hat es daher überhaupt nicht gestört, dass die Auflösung am Ender eher beiläufig erfolgt. Das Drumherum, die Beobachtungen über die Menschen, waren für mich sehr viel interessanter zu lesen.