Mehr Fragen als Antworten

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Nach der Leseprobe hatte ich einen ungewöhnlichen, leicht skurrilen Kriminalroman erwartet. Vor allem Leonora, die langjährige Reinigungskraft, hat mich sofort neugierig gemacht. Dass sie nach dem Fund der Leiche ihres Arbeitgebers erst einmal den Tatort gründlich säubert, ist ein außergewöhnlicher Einstieg. Ich war überzeugt, dass ihr Verhalten im weiteren Verlauf nachvollziehbar erklärt wird – doch für mich blieben ihre Beweggründe bis zum Schluss unklar.

Sprachlich hat mich Yael Inokai hingegen überzeugt. Mit kurzen, prägnanten Sätzen und einer ruhigen, atmosphärischen Erzählweise erschafft sie eine besondere Stimmung, die gut zum Schauplatz des traditionsreichen Kaufhauses passt.

Inhaltlich konnte mich der Roman jedoch nicht vollständig mitnehmen. Viele Figuren und ihre Geschichten werden eingeführt, verschwinden dann aber wieder in den Hintergrund oder bleiben nur oberflächlich ausgearbeitet. Immer wieder kommen neue Handlungsansätze hinzu, sodass ich das Gefühl hatte, dass sich die Geschichte in zu viele Richtungen entwickelt, ohne die einzelnen Fäden konsequent zusammenzuführen. Dadurch fiel es mir schwer, eine enge Verbindung zu den Charakteren aufzubauen, und am Ende blieben für mich einige Fragen offen.

Die Auster ist ein sprachlich schöner und atmosphärischer Roman mit einer originellen Grundidee. Leider konnte die Handlung meine Erwartungen nicht erfüllen, da mir ein klarer roter Faden und nachvollziehbare Entwicklungen gefehlt haben.