Nicht alles lässt sich wegputzen

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lemmi Avatar

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Als die 73jährige Leonora Bloch das Haus von Dr. Bronstett zum Putzen betritt, findet sie ihren Arbeitsgeber in seinem Morgenmantel in einer Blutlache liegend und ohne Hände. Nur mäßig schockiert rückt sie dieser ganzen Unordnung zu Leibe, denn selbstverständlich kann das so nicht bleiben. Erstmal wird das ganze Blut gründlich weggeputzt, dann das Haus gesäubert und erst danach die Polizei gerufen. Diese kann der Reinlichkeit allerdings wenig abgewinnen.

Was wie ein normaler Krimi beginnt, wird schnell zu einer Geschichte hauptsächlich über Leonora selbst. Sie lebt alleine, ist aber nicht einsam. Bekannte gibt es einige, doch mit ihrer Geselligkeit ist es nicht weit her. Sie blickt auf ein gelebtes Leben zurück, bei dem sich viele Dramen in ihrem Innern abspielten und sobald ihr jemand auf den Pelz rückt, klappt sie ihre Schalen zu wie eine erschreckte Auster.

Die Autorin Yael Inokai versteht es auf sehr einfühlsame Weise diese kantige und doch sympathische Frau zu beschreiben, deren unverdrossen wohlwollendes Umfeld und ihre neuen Bekanntschaften. Selbst über den Ermordeten, welcher jahrzehntelang als Geschäftsführer eines ehemals berühmten Kaufhauses arbeitete, erfährt man so einiges. Die Vorbereitungen der Beerdigung verlangen von Leonora viel ab, muss sie doch mit der Tochter Bronstetts zusammenarbeiten, welche schon lange aus dem Leben des Vaters verschwunden war.

Die nun arbeitslose Putzfrau bemüht sich pflichtbewusst alles richtig zu machen. Dabei reflektiert die vom Leben gebeutelte Frau alles was um sie herum geschieht und hinterfragt auch ständig, was sie selbst tut.
Und so ganz nebenbei ermittelt auch die Polizei im Mordfall Bronstett weiter. Zum Schluss hin wird es sogar noch einmal richtig spannend, es kommt zu überraschenden Wendungen und unverhofften Einblicken.

In diesem Buch lässt man sich einfach mit der Geschichte treiben, es ist ein Roman mit Tiefgang und Platz zum Nachdenken. Und doch ist man als Leser auf der letzten Seite erstaunt, wie gut unterhalten man sich nun fühlt.