Perle in der Muschel
Stellt euch vor, ihr findet euren Chef ermordet in seiner Villa… und putzt erst einmal den Tatort.
„Er hatte nicht unbedingt tot ausgesehen, eher so, als bräuchte er einfach eine Minute.“ (S. 9)
Und spätestens da wusste ich: Dieses Buch wird anders.
Leonora ist Reinigungskraft. Eine ältere Frau, die irgendwie immer da ist und doch niemand wirklich wahrnimmt. Unsichtbar. Nicht richtig greifbar. Sie drängt sich nie in den Vordergrund und genau das macht sie so besonders. Sie liebt Fernsehkrimis, beobachtet viel und weiß oft mehr, als ihr selbst bewusst ist.
Als sie ihren Chef, den Kaufhausgeschäftsführer Dr. Bronstett, ermordet in seiner luxuriösen Villa findet, wischt sie erst einmal seelenruhig sämtliche Blutspuren weg. Dass die Polizei darüber nicht gerade begeistert ist, dürfte klar sein.
Dr. Bronstett lebte zurückgezogen. Kaum Kontakt zu seiner Tochter Amande, selten Frauenbesuch, ein riesiges Haus und trotzdem wirkte alles irgendwie leer. Umso überraschender, dass ausgerechnet Leonora laut Testament seine Beerdigung organisieren soll. Amande ist davon zunächst alles andere als begeistert, gibt letztendlich aber immer mehr Verantwortung an Leonora ab. Auch sie bleibt bis zum Schluss eine rätselhafte Figur. Selbst ihre 104-jährige Tante erkennt sie kaum wieder und Amande scheint sich an viele Dinge aus ihrer Kindheit nicht mehr erinnern zu können.
Gemeinsam mit dem ehemaligen Freund ihres verstorbenen Sohnes versucht Leonora, die Geschehnisse Stück für Stück zu rekonstruieren. Leise, ohne großes Tamtam.
Wer jetzt einen klassischen Krimi erwartet, sollte das wissen: Der Mord läuft eigentlich die ganze Zeit nebenher.
Viel häufiger begleitet man Leonora durch ihren Alltag. Man steht mit ihr im Kaufhaus, sitzt im Fischrestaurant, schlürft Austern, erfährt etwas über ihr Leben, ihren verstorbenen Sohn und ihre stille Trauer. Gleichzeitig zeigt Yael Inokai den Gegensatz zwischen großem Reichtum und Altersarmut und macht deutlich, dass Einsamkeit nichts mit Geld zu tun hat.
Ich wollte zwischendurch immer wieder zurück zum eigentlichen Mordfall. War es ein Raubmord? Eifersucht? Wer hatte ein Motiv? Doch die Autorin nimmt sich bewusst Zeit für ihre Figuren und ihre Geschichten. Der Roman plätschert dadurch angenehm vor sich hin. Der ausführliche Schreibstil hat mich dabei überhaupt nicht gestört, im Gegenteil. Ich bin ziemlich schnell durch die Seiten geflogen.
Die skurrilen Figuren haben das Buch für mich getragen. Leonora bleibt dabei bis zum Schluss diese stille, unauffällige Frau, die nie ganz greifbar wird und trotzdem irgendwie alles zusammenhält.
Und dann kam das Ende.
Für mich war das tatsächlich die Perle in der Muschel. Plötzlich laufen alle Fäden zusammen und ich wurde positiv überrascht.
Cover und Titel haben für mich übrigens etwas völlig anderes vermuten lassen.
„Die Auster“ von Yael Inokai ist für mich weniger ein Krimi als vielmehr ein ruhiger Roman, in dem ganz nebenbei ein Mord aufgeklärt wird.
„Er hatte nicht unbedingt tot ausgesehen, eher so, als bräuchte er einfach eine Minute.“ (S. 9)
Und spätestens da wusste ich: Dieses Buch wird anders.
Leonora ist Reinigungskraft. Eine ältere Frau, die irgendwie immer da ist und doch niemand wirklich wahrnimmt. Unsichtbar. Nicht richtig greifbar. Sie drängt sich nie in den Vordergrund und genau das macht sie so besonders. Sie liebt Fernsehkrimis, beobachtet viel und weiß oft mehr, als ihr selbst bewusst ist.
Als sie ihren Chef, den Kaufhausgeschäftsführer Dr. Bronstett, ermordet in seiner luxuriösen Villa findet, wischt sie erst einmal seelenruhig sämtliche Blutspuren weg. Dass die Polizei darüber nicht gerade begeistert ist, dürfte klar sein.
Dr. Bronstett lebte zurückgezogen. Kaum Kontakt zu seiner Tochter Amande, selten Frauenbesuch, ein riesiges Haus und trotzdem wirkte alles irgendwie leer. Umso überraschender, dass ausgerechnet Leonora laut Testament seine Beerdigung organisieren soll. Amande ist davon zunächst alles andere als begeistert, gibt letztendlich aber immer mehr Verantwortung an Leonora ab. Auch sie bleibt bis zum Schluss eine rätselhafte Figur. Selbst ihre 104-jährige Tante erkennt sie kaum wieder und Amande scheint sich an viele Dinge aus ihrer Kindheit nicht mehr erinnern zu können.
Gemeinsam mit dem ehemaligen Freund ihres verstorbenen Sohnes versucht Leonora, die Geschehnisse Stück für Stück zu rekonstruieren. Leise, ohne großes Tamtam.
Wer jetzt einen klassischen Krimi erwartet, sollte das wissen: Der Mord läuft eigentlich die ganze Zeit nebenher.
Viel häufiger begleitet man Leonora durch ihren Alltag. Man steht mit ihr im Kaufhaus, sitzt im Fischrestaurant, schlürft Austern, erfährt etwas über ihr Leben, ihren verstorbenen Sohn und ihre stille Trauer. Gleichzeitig zeigt Yael Inokai den Gegensatz zwischen großem Reichtum und Altersarmut und macht deutlich, dass Einsamkeit nichts mit Geld zu tun hat.
Ich wollte zwischendurch immer wieder zurück zum eigentlichen Mordfall. War es ein Raubmord? Eifersucht? Wer hatte ein Motiv? Doch die Autorin nimmt sich bewusst Zeit für ihre Figuren und ihre Geschichten. Der Roman plätschert dadurch angenehm vor sich hin. Der ausführliche Schreibstil hat mich dabei überhaupt nicht gestört, im Gegenteil. Ich bin ziemlich schnell durch die Seiten geflogen.
Die skurrilen Figuren haben das Buch für mich getragen. Leonora bleibt dabei bis zum Schluss diese stille, unauffällige Frau, die nie ganz greifbar wird und trotzdem irgendwie alles zusammenhält.
Und dann kam das Ende.
Für mich war das tatsächlich die Perle in der Muschel. Plötzlich laufen alle Fäden zusammen und ich wurde positiv überrascht.
Cover und Titel haben für mich übrigens etwas völlig anderes vermuten lassen.
„Die Auster“ von Yael Inokai ist für mich weniger ein Krimi als vielmehr ein ruhiger Roman, in dem ganz nebenbei ein Mord aufgeklärt wird.