‚Sie sehnte sich danach, ein Ding zu sein'

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sabatayn76 Avatar

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‚Sie sehnte sich danach, ein Ding zu sein, ein Möbelstück, ein langweiliges Buch, dieser Wäscheständer, behangen mit Unterhosen, Unterhemden und Socken, frei von Mord und Totschlag, Steuererklärungen, verwöhnten Töchtern, die nicht mehr in ihre winzigen Kleider passten.‘ (Track 15)

Seit 45 Jahren arbeitet die 73-jährige Leonora Bloch als Reinigungskraft bei Dr. Bronstett und hält sowohl seinen Privatbereich als auch das Kaufhaus, wo er Geschäftsführer ist, in Ordnung.

Eines Tages findet sie ihn tot in seiner Villa, mit abgetrennten Händen. Da überall Blut ist und Leonora Ordnung und Sauberkeit wichtig sind, putzt sie erst einmal alles auf und vernichtet so lauter Spuren, was die Polizei selbstverständlich äußerst verdächtig findet.

Dieser Roman erzählt nicht nur vom Leben und den Verlusten von Leonora und von verschiedenen anderen Personen, sondern bietet auch ein sehr gelungenes Kaleidoskop eines (Luxus-) Kaufhauses, bei dem man natürlich sofort an das KaDeWe in Berlin denkt - zumal die Geschichte auch in Berlin spielt.

Ich empfand diesen Roman mit der schnörkellosen und nüchternen Sprache als ebenso anspruchsvoll wie unterhaltsam. Yael Inokai, von der ich bisher noch nichts gelesen hatte, schafft es, über berührende und wichtige Themen zu schreiben, ohne rührselig oder pathetisch zu werden.

Der Roman wurde zudem sehr gelungen von Barbara Stoll eingelesen, der ich sehr gerne gelauscht habe, und weist einen sehr gelungenen Spannungsbogen auf.