Status, Milieus und schöner Schein

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simonef Avatar

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Dr. Bronstett, der Leiter eines großen Berliner Kaufhauses, liegt tot auf dem Boden, offensichtlich ermordet, als seine Reinigungskraft Leonora Bloch das schmucke Anwesen betritt. Dienstbeflissen sorgt sie erst einmal für Ordnung und putzt, bevor sie die Polizei ruft. Seit über 45 Jahren arbeitet Leonora für Bronstett, einige Jahre auch im Kaufhaus. Während sie als Putzfrau selbst für die meisten unsichtbar bleibt, hat sie ein Gespür für feine Nuancen und kleine Veränderungen, und sie macht sich ihre ganz eigenen Gedanken.

Auch wenn „Die Auster“ auf den ersten Blick wie ein Kriminalroman wirkt, ist es doch keiner, jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne. Vielmehr liegt der Blick auf den kleinen und großen Geheimnissen des Lebens, den Sehnsüchten und verlorenen Illusionen. Im komplexen Geflecht eines Kaufhauses treffen die unterschiedlichsten Milieus aufeinander. Der schöne Schein, austernschlürfende Restaurantbesucher und kaufkräftige Klientel vor perfekt ausgeleuchteter Kaschmir-Ware stehen im Gegensatz zum kalten Neonlicht im Personaltrakt, wo vertrocknete Brötchen in der Kantine auf die Angestellten warten, die vom Aufstieg träumen, die Wegrationalisierung ihrer Jobs befürchten oder im Niedriglohnsektor vor sich hin schuften.

Yael Inokai beweist einen feinen, differenzierten Blick für die Details und stellt die Menschen ist Licht, die gerne übersehen werden. Sie zeigt, wie sich Hierarchien in Sprache und Haltung äußern, mit welcher Arroganz und Herablassung sich Status im persönlichen Umgang widerspiegelt. Und wie Einsamkeit, Verzweiflung, Leere, Ängste und Unsicherheiten hinter den Fassaden der Großstadt lauern, ungeachtet der sozialen Schicht.

Auch bei diesem Roman von Yael Inkoai ist Queerness wieder ein Thema, das hier, angesichts des bereits sehr facettenreichen Schwerpunkts und der Kriminalgeschichte, leider seltsam aufgepfropft wirkt. Weniger wäre da mehr gewesen.