unerwartet

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bobbember Avatar

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Bei Die Auster hatte ich ehrlich gesagt etwas anderes erwartet. Gerade weil es sich um einen Krimi handelt, bin ich mit der Erwartung an etwas mehr Spannung und Nervenkitzel an das Buch herangegangen. Das war dann doch weniger der Fall, als ich gedacht hatte.

Trotzdem hat mir das Buch gut gefallen – vor allem wegen des Schreibstils. Auch hier begegnet einem wieder dieser sehr nüchterne, zurückhaltende asiatische Erzählstil, den ich schon bei anderen Büchern aus diesem Kulturraum interessant fand. Die Sprache wirkt fast kühl und beobachtend und passt dadurch erstaunlich gut zu der Geschichte.

Im Mittelpunkt steht ein traditionsreiches Luxuskaufhaus, dessen Geschäftsführer ermordet aufgefunden wird. Noch bevor die Polizei eintrifft, hat die 73-jährige Reinigungskraft Leonora Bloch bereits sämtliche Spuren beseitigt. Schließlich arbeitet sie seit 45 Jahren dort und kennt das Kaufhaus besser als kaum jemand sonst. Während die Ermittlungen immer tiefer in die Austernbar und damit in die ganz eigene Welt des Kaufhauses führen, wird deutlich, dass hinter der glänzenden Fassade vieles verborgen liegt. Leonora kennt die Menschen, ihre Geschichten und ihre Geheimnisse – doch auch sie selbst scheint einiges zu verbergen.

Besonders spannend fand ich diesen Mikrokosmos des Kaufhauses und das Aufeinandertreffen von Reichtum und Armut, Glanz und Verfall. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass der Kriminalfall selbst etwas mehr Spannung erzeugt. Teilweise war mir die Geschichte dafür zu ruhig.

Trotz meiner etwas anderen Erwartung habe ich das Buch gerne gelesen und mochte besonders die ungewöhnliche Atmosphäre und den nüchternen Schreibstil. 4 Sterne von mir.