Unschlüssige Handlung

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jinjin Avatar

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In schöner Sprache erzählt Yael Inokai eine seltsam unschlüssige Geschichte. Auf Basis der Leseprobe hatte ich ein amüsantes, temporeiches Buch erwartet, in dem vor allem die Hauptfigur Leonora für Überraschungen sorgt. Überrascht war ich dann auch, aber weniger durch ihren Witz und ihre Aktionen. Vielmehr bleiben mir ihre Motive unerklärlich. Die eigentlich intelligente Putzfrau findet die Leiche ihres Arbeitgebers und putzt erst mal alle Spuren weg. Nun gut. Die Gründe werde im Laufe der Geschichte aufgedeckt, dachte ich mir und freute mich darauf. Aber entweder habe ich etwas verpasst oder man erfährt es tatsächlich nicht.

"Die Auster" gibt mir ein Gefühl, als hätte die Autorin viele Ideen gesammelt, die sie im Buch unterbringen wollte. Sie fängt an, führt Personen und Handlungsstränge ein und bevor sie diese zu Ende erzählen kann, lenkt eine neue Idee sie ab und sie springt dorthin. Die Figuren und Geschichten werden angerissen und bleiben für mich blass. Die Stränge sind notdürftig oder auch gar nicht miteinander verbunden. Die Töchter des Arbeitgebers, von denen eine starb. Die ehemalige Kollegin, die reich heiratete. Die Kommissarin, die vielleicht Leonoras verstorbenen Sohn kannte. Der Zahnarzt, der eine Nebenrolle spielt, die man nicht gebraucht hätte. Irgendwie passt alles nicht so richtig zusammen, zumindest mir erschliesst es sich nicht. Obwohl das Buch ziemlich dünn ist, wirft es erschreckend viele "Warums" auf.

Am besten gefallen hat mir, dass Yael Inokai die Geschichte einer alten Dame aufgreift, die in Japan monatelang im Schrank eines Fremden wohnte. Die Meldung hatte ich damals auch in der Zeitung gelesen und sie ist mir seither nicht aus dem Kopf gegangen. Eine tolle, echte Geschichte, aus der man ein ganzes Buch hätte spinnen können.