Wundervoller Literatursnack

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galaxaura Avatar

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„Die Auster“ von Yael Inokai, erschienen 2026 bei Hanser Berlin, ist ein erfrischender Mix aus Erzählung und Krimi, der sich sehr flott wegliest und dabei durchweg Spaß macht.

Leonora Bloch, ihres Zeichens Reinigungskraft und Gelegenheitsjobberin, 73 Jahre alt (die Handlung spielt 2019) und mit der einen oder anderen Eigenart ausgestattet, findet eines Morgens, als sie wie gewohnt im Haus von Dr. Bronstett putzen will, ebendiesen übel zugerichtet und ziemlich tot auf dem Fußboden auf. Korrekt, wie Leonora ist, wird die Sauerei natürlich erst einmal bereinigt und dann die Polizei gerufen – die Gewohnheit steckt halt in ihr, was soll sie machen.

Was sich ab hier auf etwas über 200 Seiten entspinnt, ist einfach herrlich zu lesen, voller Wendungen und besonderer Figuren, vor allem aber voller klugem Witz und großartigen Sprachbildern sowie klug strickter Details und Motive, die sich erst beim genauen Lesen in ihrer ganzen Pracht offenbaren. Die Autorin liebt spürbar ihre Figuren sowie ihre Handlung und gibt allen Menschen, denen wir in diesem kurzen Roman begegnen, mit unaufdringlichen und klaren Handgriffen Tiefe. Dabei ist die Frage, wer Dr. Bronstett so unappetitlich aus dem Leben befördert hat, eigentlich sekundär, viel interessanter sind die Lebensentwürfe, die im Roman stecken, die verpassten Chancen, aber auch wie einfach der Mensch doch zufrieden sein könnte – wenn er es denn eben kann. Was bedeutet Familie, was Freundschaft, was Beziehung und Liebe, wie viel Geld braucht der Mensch zum glücklich sein, was ist Würde und hilft sie einem weiter, wenn man einsam ist?

Inokai schreibt wunderbar trocken und trotz der Skurrilität, die durch die Zeilen leuchtet, sind die Figuren glaubhaft. Sehr besonders sind dabei ihre Beschreibungen, sowohl von Situationen als auch von Gefühlen. Und in dieser Welt ist es nur folgerichtig, wenn Leonora zwar den Mord aufklärt, ihr aber niemand glaubt – und das eigentlich auch gar nicht so wichtig ist. Aber auch Gesellschaftskritik und ein scharfer Blick auf Kapitalismus und die Unsichtbarkeit des Prekariats ist in der Tiefenstruktur deutlich lesbar, umarmt von tiefschwarzem Humor.

Einfach ein großartiger Literatursnack, der sprachlich und in der Konstruktion auf hohem Niveau arbeitet, auf der Handlungs- und Figurenebene einfach nur erfrischt. Sehr zu empfehlen – ein Perlenfund in der titelgebenden Auster.