Zwischen Krimi und Gesellschaftsroman – ungewöhnlich, aber nicht ganz überzeugend
Schon die Gestaltung von Die Auster hat mir gut gefallen. Das tiefblaue Cover und der eher ungewöhnliche, leicht verschwommene Schutzumschlag wirken elegant und gleichzeitig etwas geheimnisvoll. Für mich passt das sehr gut zu der Atmosphäre des Buches und vermittelt bereits einen Eindruck von Luxus, Distanz und einer gewissen unterschwelligen Unruhe.
Die Geschichte selbst beginnt mit einer ziemlich skurrilen Situation: Die 73-jährige Leonora Bloch findet ihren langjährigen Arbeitgeber tot auf und macht zunächst einmal sauber. Dieser Einstieg hat mich sofort neugierig gemacht, weil er gleichzeitig makaber und trocken-komisch ist. Dadurch hatte ich allerdings auch die Erwartung, dass sich daraus ein spannender Kriminalroman entwickeln würde. Genau das bekommt man letztlich aber nicht wirklich.
Die Auster ist für mich vielmehr ein Gesellschaftsroman mit einem Kriminalfall als Ausgangspunkt. Besonders interessant fand ich den Blick hinter die Kulissen des Kaufhauses und die Gegensätze zwischen den Menschen, die dort arbeiten, und denen, die dort einkaufen. Themen wie soziale Unterschiede, Einsamkeit, Alter, Macht und die Frage, welche Menschen in unserer Gesellschaft überhaupt wahrgenommen werden, werden eher beiläufig behandelt, ohne dass der Roman dabei zu sehr mit dem Zeigefinger auftritt. Das hat mir grundsätzlich gut gefallen.
Allerdings war mir die Geschichte stellenweise einfach zu ruhig. Ich habe immer wieder darauf gewartet, dass die Handlung stärker anzieht oder die Ermittlungen mehr Raum bekommen. Stattdessen bleibt vieles angedeutet und passiert eher zwischen den Zeilen. Wer einen klassischen Krimi mit vielen Hinweisen, spannender Ermittlungsarbeit und regelmäßigen Wendungen erwartet, könnte hier schnell enttäuscht sein.
Auch mit den Figuren hatte ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Leonora ist ohne Frage eine außergewöhnliche Protagonistin. Ihre Verschlossenheit, ihre Beobachtungsgabe und ihre jahrzehntelange Erfahrung machen sie interessant. Gleichzeitig blieb sie für mich emotional ziemlich auf Abstand. Das passt zwar zu ihrer Figur, hat es mir aber schwer gemacht, wirklich mit ihr mitzufühlen. Auch einige Nebenfiguren wirkten auf mich eher wie Beobachtungsobjekte, durch die bestimmte gesellschaftliche Themen sichtbar werden, als wie Personen, zu denen ich eine echte Verbindung aufbauen konnte.
Der Schreibstil hat mir dagegen sehr gut gefallen. Yael Inokai schreibt präzise, ruhig und reduziert. Sie erklärt nicht alles ausführlich, sondern lässt vieles bewusst offen. Gerade diese Zurückhaltung erzeugt eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig muss man sich darauf einlassen, denn wer lieber direkt erzählt bekommt, was eine Figur denkt oder warum etwas passiert, könnte mit dieser Art des Schreibens Schwierigkeiten haben.
Für mich war Die Auster deshalb ein interessantes, aber etwas durchwachsenes Leseerlebnis. Besonders die ungewöhnliche Ausgangssituation, die gesellschaftlichen Beobachtungen und der eigenwillige Schreibstil sind mir positiv im Gedächtnis geblieben. Gleichzeitig hätte ich mir an einigen Stellen mehr Dynamik und einen stärkeren emotionalen Zugang zu den Figuren gewünscht.
Mein Fazit: Eine ungewöhnliche und stilistisch interessante Geschichte, die deutlich mehr Gesellschaftsroman als Krimi ist. Ich würde das Buch vor allem Leser*innen empfehlen, die ruhige, literarische Romane mit gesellschaftlichen Themen mögen und nicht unbedingt auf einen klassischen Spannungsbogen angewiesen sind. Wer einen rasanten Krimi erwartet, sollte seine Erwartungen allerdings lieber etwas herunterschrauben.
3 von 5 Sternen – interessant und eigenwillig, aber für mich nicht ganz fesselnd.
Die Geschichte selbst beginnt mit einer ziemlich skurrilen Situation: Die 73-jährige Leonora Bloch findet ihren langjährigen Arbeitgeber tot auf und macht zunächst einmal sauber. Dieser Einstieg hat mich sofort neugierig gemacht, weil er gleichzeitig makaber und trocken-komisch ist. Dadurch hatte ich allerdings auch die Erwartung, dass sich daraus ein spannender Kriminalroman entwickeln würde. Genau das bekommt man letztlich aber nicht wirklich.
Die Auster ist für mich vielmehr ein Gesellschaftsroman mit einem Kriminalfall als Ausgangspunkt. Besonders interessant fand ich den Blick hinter die Kulissen des Kaufhauses und die Gegensätze zwischen den Menschen, die dort arbeiten, und denen, die dort einkaufen. Themen wie soziale Unterschiede, Einsamkeit, Alter, Macht und die Frage, welche Menschen in unserer Gesellschaft überhaupt wahrgenommen werden, werden eher beiläufig behandelt, ohne dass der Roman dabei zu sehr mit dem Zeigefinger auftritt. Das hat mir grundsätzlich gut gefallen.
Allerdings war mir die Geschichte stellenweise einfach zu ruhig. Ich habe immer wieder darauf gewartet, dass die Handlung stärker anzieht oder die Ermittlungen mehr Raum bekommen. Stattdessen bleibt vieles angedeutet und passiert eher zwischen den Zeilen. Wer einen klassischen Krimi mit vielen Hinweisen, spannender Ermittlungsarbeit und regelmäßigen Wendungen erwartet, könnte hier schnell enttäuscht sein.
Auch mit den Figuren hatte ich ein etwas zwiespältiges Verhältnis. Leonora ist ohne Frage eine außergewöhnliche Protagonistin. Ihre Verschlossenheit, ihre Beobachtungsgabe und ihre jahrzehntelange Erfahrung machen sie interessant. Gleichzeitig blieb sie für mich emotional ziemlich auf Abstand. Das passt zwar zu ihrer Figur, hat es mir aber schwer gemacht, wirklich mit ihr mitzufühlen. Auch einige Nebenfiguren wirkten auf mich eher wie Beobachtungsobjekte, durch die bestimmte gesellschaftliche Themen sichtbar werden, als wie Personen, zu denen ich eine echte Verbindung aufbauen konnte.
Der Schreibstil hat mir dagegen sehr gut gefallen. Yael Inokai schreibt präzise, ruhig und reduziert. Sie erklärt nicht alles ausführlich, sondern lässt vieles bewusst offen. Gerade diese Zurückhaltung erzeugt eine besondere Atmosphäre. Gleichzeitig muss man sich darauf einlassen, denn wer lieber direkt erzählt bekommt, was eine Figur denkt oder warum etwas passiert, könnte mit dieser Art des Schreibens Schwierigkeiten haben.
Für mich war Die Auster deshalb ein interessantes, aber etwas durchwachsenes Leseerlebnis. Besonders die ungewöhnliche Ausgangssituation, die gesellschaftlichen Beobachtungen und der eigenwillige Schreibstil sind mir positiv im Gedächtnis geblieben. Gleichzeitig hätte ich mir an einigen Stellen mehr Dynamik und einen stärkeren emotionalen Zugang zu den Figuren gewünscht.
Mein Fazit: Eine ungewöhnliche und stilistisch interessante Geschichte, die deutlich mehr Gesellschaftsroman als Krimi ist. Ich würde das Buch vor allem Leser*innen empfehlen, die ruhige, literarische Romane mit gesellschaftlichen Themen mögen und nicht unbedingt auf einen klassischen Spannungsbogen angewiesen sind. Wer einen rasanten Krimi erwartet, sollte seine Erwartungen allerdings lieber etwas herunterschrauben.
3 von 5 Sternen – interessant und eigenwillig, aber für mich nicht ganz fesselnd.