Außergewöhnlich und lesenswert

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martinchen Avatar

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Ein autofiktionaler Roman über den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahr 2002 – kann das gelingen?

Erdmanns Erzähler hat den Amoklauf als elfjähriger Fünftklässler erlebt und wirft die Frage auf, ob er sich an das reale Geschehen erinnert oder ob es ihm so oft erzählt wurde, dass er es zu seinen eigenen Erinnerungen macht. Ein sehr interessanter Aspekt, der auch beim Gespräch mit einem ehemaligen Mitschüler zum Tragen kommt.

Lange hat der Autor nach einer Form gesucht, um die Geschichte schreiben zu können. Er hat einen
sehr eigenen Schreibstil. So werden die Zeitebenen nicht nur zwischen Vergangenheit und Gegenwart gewechselt, auch die Gegenwart verläuft nicht chronologisch, was nicht immer sofort deutlich wird. Erdmann vermischt Realität mit Fiktion und befragt immer wieder sein elfjähriges Ich, findet aber nicht immer Antworten. Dieser Schreibstil passt hervorragend zum Herantasten an die Erinnerungen und die Verarbeitung daran.

Um die Eingangsfrage aufzunehmen: es ist gelungen und zwar ausnehmend gut. Der Roman stand völlig zurecht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Fazit: ein außergewöhnlicher und sehr lesenswerter Roman