Emotional berührend und nachhallend

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danilisbeth Avatar

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Manche Bücher beginnen mit einer Geschichte, aber dies beginnt für mich mit einem Gefühl: dem Wunsch, einen Menschen wirklich zu sehen – auch dann, wenn das Leben ihn plötzlich verändert.

Ich bin 50 Jahre alt, arbeite als Sonderpädagogin mit Jugendlichen, insbesondere mit Menschen mit Behinderungen und habe selbst zwei jugendliche Töchter. Deshalb haben mich Brendans Gedanken schon in der Leseprobe sehr berührt. Dieses Gefühl, anders zu sein, nicht richtig dazuzugehören und nur einen einzigen Menschen zu haben, bei dem man vollkommen ehrlich sein kann – ich glaube, viele Jugendliche kennen es. Und vielleicht auch viele Erwachsene, die das nur nicht zugeben.

Besonders getroffen hat mich Brendans Reaktion auf Ronans Unfall. Er sieht zunächst nicht seinen Freund, sondern nur das, was aus ihm geworden ist. Das ist hart und wirklich auch unbequem zu lesen – aber gerade deshalb wirkt es für mich so ehrlich. Brendan muss erst lernen, dass eine Behinderung seinem Freund nicht seine Persönlichkeit nimmt oder ihre gemeinsame Geschichte und erst recht nicht seine Würde.

Ich liebe Bücher, die ernste Themen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger behandeln, sondern mich berühren und gleichzeitig zum Nachdenken bringen. T. C. Klune schafft das für mich immer wieder auf ganz besondere Weise. Auch „Heartstopper“ gehört zu meinen Lieblingsserien, weil dort Freundschaft, Identität, Verletzlichkeit und das Gefühl, angenommen zu werden, so menschlich erzählt werden. Mit Schwächen und mit Problemen, die nicht verschwiegen werden.

An „Die Ballade von Ronan McCoy“ reizt mich deshalb besonders, dass die Geschichte offenbar nicht nur traurig ist. In Brendan steckt trotz allem eine wunderbar eigenwillige Stimme, manchmal trocken, manchmal witzig und oft erstaunlich klug. Genau diese Mischung aus Schwere und Menschlichkeit mag ich.

Ich erwarte keine leichte Geschichte – aber eine, die ehrlich ist, vielleicht weh tut und hoffentlich am Ende ein kleines bisschen Hoffnung hinterlässt.

Und wenn ein Buch mich nach dem Zuklappen noch beschäftigt, hat es für mich schon ziemlich viel richtig gemacht. Und diese Leseprobe hat das schon geschafft: ich werde noch eine Weile an ihr zu Denken haben!