Berührend

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
reiseweise Avatar

Von

Brendan und Ronan sind als beste Freunde unzertrennlich und freuen sich auf ihr letztes Schuljahr. Doch dann verändert ein Ereignis in Ronans Leben alles und Brendan muss auf einmal lernen, allein mit der neuen Situation umzugehen und gleichzeitig herauszufinden, wer er selbst sein möchte.

Ich habe Brendan und Ronan beim Lesen die ganze Zeit die Daumen gedrückt. Besonders beeindruckt hat mich, Brendans Entwicklung und wie viel er auf sich nimmt, um Ronan zu unterstützen. Ich glaube nicht, dass ich mir das als Teenager zugetraut hätte. Ein bisschen irritiert haben mich die Erwachsenenfiguren. Die Lehrerin und andere Erwachsene reagieren zwar alle verständnisvoll, aber auch recht distanziert. Manche Dialoge wirken dadurch etwas hölzern. Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass wirklich alle ständig ausgesprochen höflich miteinander umgehen, was im Umgang mit pubertierenden, trauernden Jugendlichen vielleicht auch nicht ganz authentisch ist. Beim Lesen hat mich das allerdings nicht allzu sehr gestört. Auch die zahlreichen religiösen Anspielungen konnte ich so hinnehmen.

Der Roman liest sich daher insgesamt leicht und flüssig, obwohl die Themen alles andere als leicht sind. Besonders schön finde ich, dass die schwierigen Erfahrungen der Figuren nicht einfach abgehandelt werden. Eigentlich geht es bei fast allen darum, irgendwie zurück ins Leben zu finden: bei Ronan, bei Brendan, aber auch bei Ronans und Brendans Eltern. Gleichzeitig bleibt einiges offen, was mich auch nach der letzten Seite noch beschäftigt hat, z.B., welche Gefühle Ronan tatsächlich für Brendan hatte und warum bestimmte Aspekte seiner Geschichte so lange im Dunkeln bleiben.

Alles in allem ist „Die Ballade von Ronan McCoy“ für mich ein berührender Coming-of-Age-Roman über Freundschaft, Trauer und Veränderung, der manchmal sprachlich nicht ganz überzeugt, aber trotzdem flüssig zu lesen ist.