Hat mich zum Heulen gebracht

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aoibheann Avatar

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Ich bin nicht unbedingt der größte Fan von Coming of Age Geschichten. Aber gelegentlich schafft es die eine oder andere Geschichte mich zu begeistern. Das liegt in diesem Fall mehr an der Art wie die Geschichte erzählt wird, als über die eigentliche Handlung.
Die Freundschaft zwischen Brendan und Ronan findet eigentlich nur in der Schule statt. Dadurch wirkte die Beziehung der beiden Jungs auf mich anfangs eher einseitig. Ich hatte da den Eindruck, dass für Brendan diese Freundschaft wichtiger ist als für Ronan. Wie falsch ich damit lag, wurde mir im Verlauf der Handlung dann deutlich. Beide sind wirklich eng miteinander verbunden und es fühlt sich nach echter Freundschaft an, nicht nur nach einer Art Zweckgemeinschaft, weil grade niemand anderes da ist. Wir erfahren nicht genau, was Ronan zugestoßen ist. Auch Brendan weigert sich, Zeitungsartikel über den Unfall zu lesen oder sich am allgemeinen Tratsch zu beteiligten. Zwar kann Ronan im Verlauf einige Hinweise geben, die Details bleiben aber im Dunkeln.
Am besten gefallen hat mir aber wie authentisch und nachvollziehbar die Figuren überwiegend sind. Die Ratlosigkeit, die bei allen Beteiligten herrscht. Ihre Unbeholfenheit im Umgang miteinander. Die unangenehmen Sprechpausen bei Brendans Besuchen. Die verkrampften Witze, weil man das Gefühl hat etwas sagen zu müssen aber einfach nicht weiß, was. Das zwanghafte Überlegen ob man jetzt etwas falsches gesagt oder getan hat. Der verzweifelte Zweckoptimismus. Diese ganzen Schilderungen haben auf mich sehr echt gewirkt.
Brendan als Figur wirkt in seinem Handeln Ronan gegenüber auf mich manchmal etwas überzogen romantisiert. Er ringt mir aber insgesamt sehr großen Respekt ab. Nach dem Tod seiner Großmutter verfällt seine Mutter in eine Depression, das Familienleben ist dort auf Eis gelegt. Und wenn es über das Benennen von Gefühlen geht, ist Brendans Vater auch nicht unbedingt der Stärkste. Dazu kommen die Abschlussprüfungen, die anstehende Führerscheinprüfung, ein Aushilfsjob, die Fragen der Erwachsenen nach seiner Zukunft und die Besuche bei Ronan on top. Das ist ein unheimliches Pensum und ich fühlte mich schon beim Lesen davon erschöpft. Und man kommt nicht umhin sich zu denken, dass Brendan sich damit insgesamt viel zu viel aufgeladen hat und das verdammt viel Druck auf den Schultern dieses jungen Menschen ist. Was für alle anderen der letzte aufregende Schulsommer ist, wird für Brendan zu einer traumatischen Erfahrung. Denn egal ob die erste Freundin oder der Abschlussball - alles erlebt er unter der Prämisse Ronan. Das führt unweigerlich auch mal zu Konflikten mit anderen.
Ich war von vielen Szenen sehr angefasst und habe ein einer Stelle auch hemmungslos Rotz und Wasser geheult. Es ist eine großartige Geschichte, melancholisch, traurig, hoffnungsvoll, liebevoll und damit eine riesengroße Leseempfehlung.