Wenn das Leben eine andere Richtung nimmt

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„Die Ballade von Ronan McCoy“ hat mich am Anfang durchaus herausgefordert. Die Geschichte um Brendan und seinen besten Freund Ronan wird zunächst sehr ruhig und ausführlich erzählt, sodass ich einige Zeit gebraucht habe, um richtig in das Buch hineinzukommen. Das Tempo war mir stellenweise etwas zu langsam, das ist aber sicher auch Geschmackssache. Gleichzeitig hat mir gerade diese ruhige Erzählweise ermöglicht, die Freundschaft der beiden wirklich nachzuvollziehen: ihre Nähe, ihre kleinen Rituale, die Unterschiede zwischen ihnen und die Bedeutung, die Ronan für Brendan hat. So bekam ich früh ein gutes Gefühl für die Charaktere und ihre Verletzlichkeiten.

Ab der zweiten Hälfte hat mich die Geschichte dann deutlich stärker gepackt. Colin Morgan erzählt vom Erwachsenwerden, von Abhängigkeit, Verantwortung, erster Liebe und dem schmerzhaften Moment, in dem sich eine vertraute Beziehung verändert. Besonders beeindruckt hat mich, wie einfühlsam Brendan als Erzähler gezeichnet wird: unsicher, loyal, manchmal hilflos, aber auch zunehmend bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die Freundschaft wirkt dabei nie bloß als Kulisse, sondern als emotionaler Kern des Romans.

Was mich allerdings verwundert und fast verärgert hat, ist, wie viel der Hauptfigur in so jungem Alter zugemutet wird. Diese Belastung ist bewusst erzählt und passt zum Thema, hat mich aber emotional durchaus mitgenommen. Der letzte Teil des Buches war für mich dann sehr berührend. Ich hatte beim Lesen durchaus Tränen in den Augen. Das ist definitiv nichts für Menschen, die nah am Wasser gebaut sind. Ich mag allerdings Romane wie diesen mit auch mal emotionalen und nah gehenden Abschnitten bzw. Enden.

Insgesamt ein feinfühliger, emotionaler Coming-of-Age-Roman über Freundschaft, Verlust und die Frage, wer man ist, wenn das Leben nicht so verläuft, wie man gehofft hat. Für Leserinnen und Leser, die bewegende Dramen mit glaubwürdigen Figuren mögen, eine klare Empfehlung.