Ein bewegender Roman über Relikte der Vergangenheit, Wege der Zukunft, die Kraft des Meeres und besondere Begegnungen.

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"Die Mädchen an der Küste des Samlands sollten Bernsteinschnitzerinnen werden oder Dreherinnen. Am Strand und auf der See hatten sie nichts verloren. Doch Ebba war mit Salzwasser in den Adern auf die Welt gekommen."
Kapitel "Ebba - Ostpreußische Bernsteinküste, 1943"
Ja, Ebba ist anders als die anderen Mädchen und ihr Vater nimmt sie mitten in der Nacht mit ans Meer. Mit den anderen Bernsteinfischern suchts sie nach dem wertvollen fossilen Harz. Doch manche besonderen Stücke versteckt sie bei ihrem Freund Leo, damit diese nicht für Kriegsmaterial eingeschmolzen werden ...
Frankfurt heute: Julika entdeckt in einem Bernstein ein unbekanntes Fossil, eine Wespe, die es in dieser Art von Bernstein noch nie entdeckt wurde. Eine große Chance für die junge Forscherin, die ihr wohl weltweit Türen öffnen könnte. Doch abends, wenn sie nach Hause kommt, reduziert sich ihre Welt auf das kleine Elternhaus, in dem sie gemeinsam mit ihrem Vater ihre kranke Mutter pflegt. Forschungsreise? Unmöglich!
Als Finderin des besonderen Bernstein wird eine Ebba Bredow angeführt. Um sie zu finden, muss Julika ihr gewohntes Leben und ihre Eltern für ein paar Tage verlassen. An der Ostsee trifft sie tatsächlich auf die mittlerweile 90jährige Ebba. Doch ihre Begegnung ist ganz anders als erwartet ...
In "Die Bernsteinfischerin" führt uns Lisa Quentin in längst vergangene Zeiten, ins Samland und bringt uns den Beruf der Bernsteinfischer nahe. Das Gold des Meeres hat eine besondere Magie, die sie geschickt einfängt. In zwei Erzählsträngen erleben wir Ebbas Aufwachsen im Samland, die Flucht an die Ostsee, wo alles so anders ist als die Freiheit und Ungezähmtheit vorher. Stück für Stück begleiten wir sie durch ihr Leben, leiden und lieben mit ihr und entdecken verborgene Talente.
Die Zeitspanne, in der wir Julika begleiten, ist etwas kürzer, aber nicht weniger packend. Vom Entdecken des eingeschlossenen Lebewesens, über die Enge zu Hause, die drückende Vergangenheit und enge Gegenwart. Ein wenig ist Julika wie das Fossil selbst, das sie untersucht. Eingesperrt in einem golden wirkenden Käfig, der in zwei Teile geschnitten wurde. Ihre zweite Hälfte fehlt schmerzlich. Bis Julika sich doch dazu entscheidet, an die Ostsee zu reisen und Ebba zu suchen. Julika ist fasziniert von der alten, starken Frau. Auch wenn sie gar nicht so detailliert wie wir erfährt, welch langen Weg Ebba hinter sich hat, um zu der Person zu werden, die sie heute ist. Wild und frei wie das Meer ... Julika sprengt ihre engen Fesseln und stellt fest, dass die Folgen nicht so vorhersehbar sind, wie sie immer geglaubt hat.
Auch wenn ich noch nicht oft dort war, bin ich ein großer Fan der Ostsee, liebe Lübeck und bin selbst schon an der Steilküste entlanggewandert. Ein faszinierender Ort, den die Autorin mehr als gelungen beschrieben hat. Die wilde Ungezügeltheit des Meeres, dazu der mystische Bernstein und zwei starke Frauen, denen wir zusehen dürfen, wie sie Schritt für Schritt ihren eigenen Weg kennenlernen dürfen. Faszinierend von der ersten bis zur letzten Seite!
Fazit:
Ein bewegender Roman über Relikte der Vergangenheit, Wege der Zukunft, die Kraft des Meeres und besondere Begegnungen.