Ein Herzensbuch

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brigitteb Avatar

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Das Herz der Geowissenschaftlerin Julika schlägt für den Bernstein. Als Doktorandin eines Institutes erforscht sie Fundstücke dieser fossilen Harze. Umgang mit Mitarbeitern pflegt sie kaum und Forschungsreisen lehnt sie ab. Ihre gesamte Freizeit benötigt sie, um mit dem Vater die pflegebedürftige Mutter zu versorgen. Ein Fenster der Hoffnung öffnet sich, als ein Stein mit einem spektakulären Einschluss auftaucht. Diese Inkluse könnte die Wissenschaft auf den Kopf stellen und Julika muss unbedingt die Finderin aufspüren: die bald 90-jährige Künstlerin Ebba.

Ebba ist in Ostpreussen aufgewachsen und die Familie lebte als Bernsteinfischer. Beim Vormarsch der Roten Armee mussten sie fluchtartig die Heimat verlassen. In der Lübecker Bucht angesiedelt, musste die Familie sich neu erfinden. Ebba liebte auch die Malerei, doch der beengende und fordernde Alltag gab ihr wenig Raum für diese Leidenschaft.

Lisa Quentin zeichnet zwei leuchtende Frauenfiguren, die ich geradezu absorbiert habe. Ich liebte die pflichtbewusste, sehnsuchtsvolle Julika, die durch ihr ganzes Leben mit angezogener Handbremse navigiert. Ebenso begeisterte mich das wilde, ungestüme Wesen der Ebba, die man lebenslang zähmen wollte. Beide Frauen sind vereint in ihrer verzehrenden Hingabe und Opferbereitschaft.

Dritte Hauptdarstellerin ist fraglos die Ostsee. Durch sie atmet der gesamte Roman. Ihr Wellengang bestimmt den Rhythmus dieser Seiten. Spannend waren auch die wissenschaftlichen und kulturellen Hintergründe über den Bernstein. Ein Herzensbuch über die Wunder der Schöpfung, Tradition und Tabubrüche, geplatze Träume und den Mut, Dinge anders zu tun, als sie von uns erwartet werden.