Es ist nie zu spät dem Leben eine neue Richtung zu geben

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Manche Bücher begleiten einen gedanklich noch lange nach der letzten Seite. „Die Bernsteinfischerin“ ist für mich so eines – und ein echtes Jahreshighlight. 🩵🩷

Julika forscht über Bernstein und entdeckt unter dem Mikroskop Spuren längst vergangenen Lebens. Gleichzeitig kümmert sie sich nach einem Schicksalsschlag aufopfernd um ihre kranke Mutter. Sie erfüllt ihre Pflichten, doch die Sehnsucht nach einem anderen Leben wird immer größer. Ein außergewöhnlicher Fund führt sie schließlich an die Ostsee – und zu Ebbas Geschichte.

Ebba ist wild, eigenwillig und manchmal so rau wie das Meer, an dem sie aufgewachsen ist. Schon als Kind in Wogoro wollte sie wie ihr Vater Bernsteinfischerin werden. Wir begleiten sie durch ein Leben voller Liebe, Verluste und Entscheidungen: von ihrer Kindheit über die Jahre in der ungeliebten Pension ihrer Eltern in Niendorf bis zu ihrem Lebensabend als Künstlerin.

Auf den ersten Blick könnten Julika und Ebba kaum unterschiedlicher sein. Doch beide verbindet weit mehr als ihre Faszination für Bernstein: Sie fühlen sich ihren Familien verpflichtet, sind loyal und verantwortungsbewusst – und müssen herausfinden, wie viel Raum für die eigenen Träume bleibt.

Lisa Quentin verwebt die beiden Lebensgeschichten und Zeitebenen geschickt miteinander. Ihr Stil ist sanft und einfühlsam, zugleich habe ich immer gespannt weitergelesen. Besonders schön fand ich die atmosphärischen Beschreibungen der Ostsee: Ich konnte den Wind an der Steilküste beinahe spüren und die Wellen hören. Auch über Bernstein und die Welt, die er bewahrt, habe ich viel Neues erfahren.

„Die Bernsteinfischerin“ ist ein berührender, tiefgründiger Roman über familiäre Verbundenheit, Verlust, Selbstbehauptung und den Mut zum Neuanfang. Vor allem hat er mich mit einem Gedanken zurückgelassen: Es ist nie zu spät, dem eigenen Leben eine neue Richtung zu geben.