Heimkommen
Ich habe mich in diesem Roman sehr wiedergefunden.
Erzählt wird die Geschichte von Julika, die über Bernstein forscht und von Eva Bredow, einer alten Frau, deren Leben eng mit der Ostsee und dem Bernstein verbunden ist. Zwei Generationen, die sich begegnen. Irgendwann rückte die Handlung für mich in den Hintergrund. Stattdessen hatte ich das Gefühl, einem Gespräch über das Leben zuzuhören.
Über Trauer, Tod, Flucht und Vertreibung.
Über Kinder, die viel zu früh Verantwortung für ihre Eltern übernehmen und über Entscheidungen, die getroffen wurden. Und über jene, die nie getroffen werden konnten.
Was mich am meisten berührt hat, war jedoch etwas anderes:
Die Wut. Die laute, zerstörerische Wut von Eva und diese stille Wut, die entsteht, wenn Menschen ihr Leben nicht so leben konnten, wie sie es sich gewünscht hätten.
Wenn Verpflichtungen, Schicksal oder gesellschaftliche Erwartungen stärker waren als die eigenen Träume.
Während des Lesens wurde mir bewusst, warum mich dieses Thema so trifft.
Ich trage selbst eine Wut in mir. Keine, die sich gegen einen bestimmten Menschen richtet. Eher eine tiefe Ahnung, dass die Frauen vor mir oft nicht frei waren. Dass meine Mutter, meine Großmutter und vielleicht noch Generationen davor ihr Leben nur innerhalb enger Grenzen gestalten konnten.
Ob das tatsächlich so war, weiß ich nicht.
Aber dieses Gefühl begleitet mich.
Und plötzlich hielt ich ein Buch in den Händen, das dieser Wut einen Platz gab, ohne sie erklären oder bewerten zu wollen.
Das tat gut.
Vielleicht auch deshalb, weil der Roman nie dramatisch werden will. Er vertraut darauf, dass leise Töne oft länger nachklungen, als laute.
Auch sprachlich hat mich das Buch sehr überzeugt. Die Sprache ist ruhig, poetisch und gleichzeitig klar. Sie trägt die Geschichte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Genau die Art von Literatur, die ich liebe.
Und dann ist da noch das Meer.
Ich weiß nicht, wie andere Leserinnen und Leser das empfinden. Für mich ist das Meer nie nur Kulisse. Es öffnet Räume. Es macht Gedanken weiter. Es erinnert mich daran, dass das Leben größer ist als der Alltag, in dem wir uns oft verlieren.
Vielleicht habe ich mich deshalb in diesem Roman so zu Hause gefühlt.
Ein weiterer Punkt, den ich besonders schätze: Das Buch ist erstaunlich rund. Fragen, die früh aufgeworfen werden, finden später ihren Platz. Zusammenhänge werden sichtbar. Nicht alles endet glücklich, aber vieles endet stimmig. Das ist eine Qualität, die ich in Romanen sehr mag.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, blieb vor allem ein Gefühl zurück:
Melancholie.
Aber keine hoffnungslose Melancholie.
Eher die bittersüße Erkenntnis, dass unser Leben nicht nur aus den Wegen besteht, die wir gegangen sind, sondern auch aus denen, die wir nie betreten haben.
Die Bernsteinfischerin ist für mich ein Roman über Freiheit. Über das, was Menschen trägt. Über das, was sie festhält. Und über den Mut, sich dem eigenen Leben ehrlich zuzuwenden.
Für mich gehört dieses Buch zu den schönsten Leseerfahrungen des Jahres.
Erzählt wird die Geschichte von Julika, die über Bernstein forscht und von Eva Bredow, einer alten Frau, deren Leben eng mit der Ostsee und dem Bernstein verbunden ist. Zwei Generationen, die sich begegnen. Irgendwann rückte die Handlung für mich in den Hintergrund. Stattdessen hatte ich das Gefühl, einem Gespräch über das Leben zuzuhören.
Über Trauer, Tod, Flucht und Vertreibung.
Über Kinder, die viel zu früh Verantwortung für ihre Eltern übernehmen und über Entscheidungen, die getroffen wurden. Und über jene, die nie getroffen werden konnten.
Was mich am meisten berührt hat, war jedoch etwas anderes:
Die Wut. Die laute, zerstörerische Wut von Eva und diese stille Wut, die entsteht, wenn Menschen ihr Leben nicht so leben konnten, wie sie es sich gewünscht hätten.
Wenn Verpflichtungen, Schicksal oder gesellschaftliche Erwartungen stärker waren als die eigenen Träume.
Während des Lesens wurde mir bewusst, warum mich dieses Thema so trifft.
Ich trage selbst eine Wut in mir. Keine, die sich gegen einen bestimmten Menschen richtet. Eher eine tiefe Ahnung, dass die Frauen vor mir oft nicht frei waren. Dass meine Mutter, meine Großmutter und vielleicht noch Generationen davor ihr Leben nur innerhalb enger Grenzen gestalten konnten.
Ob das tatsächlich so war, weiß ich nicht.
Aber dieses Gefühl begleitet mich.
Und plötzlich hielt ich ein Buch in den Händen, das dieser Wut einen Platz gab, ohne sie erklären oder bewerten zu wollen.
Das tat gut.
Vielleicht auch deshalb, weil der Roman nie dramatisch werden will. Er vertraut darauf, dass leise Töne oft länger nachklungen, als laute.
Auch sprachlich hat mich das Buch sehr überzeugt. Die Sprache ist ruhig, poetisch und gleichzeitig klar. Sie trägt die Geschichte, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Genau die Art von Literatur, die ich liebe.
Und dann ist da noch das Meer.
Ich weiß nicht, wie andere Leserinnen und Leser das empfinden. Für mich ist das Meer nie nur Kulisse. Es öffnet Räume. Es macht Gedanken weiter. Es erinnert mich daran, dass das Leben größer ist als der Alltag, in dem wir uns oft verlieren.
Vielleicht habe ich mich deshalb in diesem Roman so zu Hause gefühlt.
Ein weiterer Punkt, den ich besonders schätze: Das Buch ist erstaunlich rund. Fragen, die früh aufgeworfen werden, finden später ihren Platz. Zusammenhänge werden sichtbar. Nicht alles endet glücklich, aber vieles endet stimmig. Das ist eine Qualität, die ich in Romanen sehr mag.
Als ich die letzte Seite gelesen hatte, blieb vor allem ein Gefühl zurück:
Melancholie.
Aber keine hoffnungslose Melancholie.
Eher die bittersüße Erkenntnis, dass unser Leben nicht nur aus den Wegen besteht, die wir gegangen sind, sondern auch aus denen, die wir nie betreten haben.
Die Bernsteinfischerin ist für mich ein Roman über Freiheit. Über das, was Menschen trägt. Über das, was sie festhält. Und über den Mut, sich dem eigenen Leben ehrlich zuzuwenden.
Für mich gehört dieses Buch zu den schönsten Leseerfahrungen des Jahres.