Meer und Gefühle

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davina Avatar

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Ich habe selten ein Buch gelesen, das mich so sanft und gleichzeitig so tief mitgenommen hat wie dieses. Im Zentrum steht Julika, eine Bernsteinforscherin, die tagsüber in Millionen Jahre alte Welten eintaucht, während sie abends bei der Pflege ihrer kranken Mutter merkt, wie ihr eigenes Leben stillsteht. Ein ungewöhnlicher Fund in einem Bernstein bringt sie an die Ostsee, zu Ebba, einer Frau, die sich ihr Leben lang nie hat vorschreiben lassen, welchen Weg sie zu gehen hat.

Was mich am meisten überzeugt hat, ist, wie unaufgeregt Quentin erzählt. Kein Kitsch, keine überzogenen Wendungen, sondern zwei Frauenfiguren, die einem mit jeder Seite näherkommen. Für mich hatte es gerade am Anfang ein wenig zu viele Längen aber man spürt die Steilküste, das Salz in der Luft, die Schwere einer Liebe, die Jahrzehnte und Schicksalsschläge überstanden hat. Nebenbei lernt man erstaunlich viel über Bernstein und seine Geschichte, ohne dass es je belehrend wirkt, da es einfach organisch in die Handlung einfließt.
Ein ruhiges, atmosphärisches Buch über Erinnerung, Loslassen und den Mut zum Neuanfang.

Zum Hörbuch:
Wer die Geschichte lieber hört statt liest, macht damit nichts falsch, im Gegenteil. Vera Teltz leiht den beiden Frauen ihre Stimme, und das mit einem Gespür, das man nicht oft findet. Sie gibt Julika Zerrissenheit, ohne je larmoyant zu werden, und Ebbas Eigensinn bekommt genau die richtige Portion Kratzbürstigkeit mit. Eine Einlesung, die der Geschichte spürbar guttut.