Zwischen Verantwortung und eigenen Träumen
Was mich an diesem Roman besonders beschäftigt hat, ist die Frage, wie viel man für seine Familie zurückstellen sollte und wann es Zeit wird, auch an sich selbst zu denken. Julika arbeitet als Bernsteinforscherin, kümmert sich aber gleichzeitig um ihre kranke Mutter. Für eigene Wünsche bleibt kaum Platz. Durch einen ungewöhnlichen Fund begegnet sie schließlich Ebba, deren Lebensgeschichte bis in die Kriegsjahre zurückreicht. Die beiden Frauen haben mich auf unterschiedliche Weise berührt. Gerade Julikas Situation fand ich nachvollziehbar, auch wenn ich mir manchmal gewünscht hätte, dass sie deutlicher ihre Grenzen setzt. Ebbas Vergangenheit hat mich besonders interessiert, weil man viel darüber erfährt, welche Erwartungen früher an Frauen gestellt wurden. Die Wechsel zwischen den Zeitebenen sind gut gelungen und sorgen dafür, dass man nach und nach mehr über beide Frauen erfährt. Schön fand ich auch die Einblicke in die Bernsteinforschung. Mir war gar nicht bewusst, wie viel sich aus solchen Einschlüssen über längst vergangene Zeiten herausfinden lässt. Lisa Quentin schreibt ruhig und anschaulich, ohne dass die Geschichte langweilig wird. Besonders die Beschreibungen der Ostsee haben mir gefallen. Das stimmungsvolle Cover passt wunderbar dazu. Lediglich manche Entwicklungen gegen Ende gingen mir etwas schnell. Insgesamt ein berührender Roman, der mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch zum Nachdenken gebracht hat.