Wie ein Gespräch mit einer alten Freundin.

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marie_d Avatar

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„Die beste aller Beziehungen“ von Gun-Britt Sundström ist so ein Roman, der mich sofort reingezogen hat – die Leseprobe fühlt sich an wie ein Gespräch mit einer alten Freundin, die ehrlich über Liebe, Sex und das ganze Chaos dazwischen redet, ohne Schnörkel.


Martina, die Ich-Erzählerin, ist mega sympathisch: selbstbewusst, ein bisschen frech, total skeptisch gegenüber allem „Verpaaren“ und trotzdem neugierig auf diesen Gustav, der wie ein altmodischer Gymnasiast mit Hut und Mantel daherkommt. Ich hab gelacht, als sie ihn erst mal als „albern“ abtut, aber dann mit ihm ins Theater geht und merkt, wie er sie aus dem Konzept bringt – diese kleinen Momente, wo man die Hand nicht wegzieht, obwohl man es will, die sind so treffend.


Was mir richtig gut gefällt: Es ist die 70er in Stockholm, mit Straßbahnen, Matrizenabzügen und Vietnam-Diskussionen, aber das wirkt nicht aufgesetzt, sondern als natürlicher Hintergrund zu ihren Gedanken über Freiheit, Studium und warum man nicht heiraten muss, nur weil's erwartet wird. Sundström schreibt so locker und witzig, dass ich die Szenen quasi vor mir sehe – das Theater, die Tee-Nachmittage bei seinen Eltern, das Herumgeradel mit dem Fahrrad.


Persönlich finde ich, das Buch packt perfekt, wie Liebe nicht immer rosig ist, sondern mit Zweifeln, Lachen und diesem „Will ich ihn, aber nicht, dass er mich hat“-Gefühl einhergeht. Es ist feministisch, ohne belehrend zu sein, und hat diesen Retro-Charme, der nostalgisch macht, aber auch total aktuell wirkt – vor allem für alle, die Beziehungen mal ohne Filter betrachten wollen.