Analytischer Blick auf die Liebe

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Der Roman "Die beste aller Beziehungen" von Gun-Britt Sundström ist bereits 1976, der Zeit feministischer Debatten, erschienen und wurde mehrfach neu aufgelegt. Er hat auch noch heute in Schweden "Kultstatus" und ist aufgrund seines Themas immer noch aktuell.
Aus Martinas Perspektive wird über die Beziehung zwischen Martina und Gustav erzählt, die sich im Stockholm der 1970-er Jahre kennen- und liebenlernen. Sie lehnt die traditionellen Erwartungen von Liebe und Ehe ab. Ihre Beziehung ist geprägt von Diskussionen über Treue, Sexualität, Nähe und Unabhängigkeit.
Martina hinterfragt alles, analysiert ehrlich, offen und schonungslos. Darunter leidet natürlich ein wenig ihre Spontanität. Eine Sympathieträgerin ist sie sicher nicht, aber das macht sie mit ihren Zweifeln und Widersprüchen interessant und auch glaubwürdig. Sie ist sich bewusst, dass ihre Lebenseinstellung für eine Beziehung nicht gerade hilfreich ist. Auch Gustav, der sich mehr Nähe wünscht, ist glaubwürdig gezeichnet.
Während Gustav sich mehr Stabilität wünscht, sorgt Martina sich um ihre Freiheit. Sie schwankt zwischen Nähe und Distanz zu Gustav, leidet unter Selbstzweifeln.
Ständig diskutieren die beiden über ihre Beziehung zueinander, was natürlich Konflikte mit sich bringt.
Sie probieren neue Beziehungsmodelle (wie z.B. Polygamie) aus.
Es ist kein Liebesroman im traditionellen Sinne, sondern eher ein analytischer Roman über die Frage, was Liebe bedeutet. Kann man lieben ohne sich selbst aufzugeben? Inwieweit muss man Kompromisse schließen und seine Freiheit beschneiden? Was bedeutet Treue?
Dabei ist der Roman reflektierend, manchmal humorvoll und oft auch ironisch. Als ironisch könnte man den Buchtitel interpretieren.
Ein wenig straffer hätte der Roman sein können, so ist der Roman doch ein wenig ausladend.
Das Buch zeigt, dass jede Beziehung ein ständiger Konflikt zwischen Nähe und Freiheit ist und das es keine perfekte Lösung gibt.
Es birgt viel Diskussionsmaterial.
Lesen sollten all jene den Roman, die keine Probleme haben, sich mit unangenehmen Überlegungen über komplizierte Beziehungsgeflechte auseinanderzusetzen.
4,5