Deep dive in eine besondere Beziehung

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"Die beste aller Beziehungen" erzählt von Martina und Gustav. Martina und Gustav, die „einander haben wollen, sich aber nicht über die Art des »Habens« einigen können und deren Vorstellungen von »einander« verschieden sind.“ (S. 206)

Auf ganzen 638 Seiten wird nicht nur deren Beziehung durchleuchtet, sondern auch jegliche Konventionen Schwedens der 1970er Jahren, denen sich vor allem Martina nicht beugen möchte. Sie möchte weder heiraten noch Kinder, ist anderen Beziehungsformen gegenüber offen, hat immer wechselnde Jobs und ist keinesfalls die Schwiegertochter, die Gustavs konservative Eltern für ihren Sohn im Sinn hatten. Dass die beiden sich lieben steht außer Frage, doch so richtig können sie nicht miteinander, noch weniger aber ohne einander.

Gun-Britt Sundström schuf mit Martina eine der interessantesten Frauenfiguren, die ich seit langem gelesen habe. Martina ist eigenwillig, manchmal etwas melodramatisch und unentschlossen, aber immer authentisch und so lustig, dass ich unerwartet oft schmunzeln musste. Mit Sundströms Art der Erzählung und den Gedankengängen und Überlegungen, die wir durch Martinas Sicht erleben, war sie ihrer Zeit so weit voraus, dass diese Themen auch heute nichts an Aktualität verloren haben. Ich habe mich selbst so oft in Martina wiedererkannt und ihre Überlegungen und Einsichten sehr gerne verfolgt.

Aber not gonna lie, dieses Buch hatte extreme Längen und ich konnte es nur häppchenweise lesen, da es stellenweise sehr repetetiv war und mir ehrlicherweise immer wieder die Motivation fehlte, länger am Stück weiterzulesen. Als Leser:in begleitet man Martina und Gustav über mehrere Jahre hinweg: vom Studium über wechselnde Jobs und Wohnungen, bis hin zu zahlreichen idyllischen Sommern in Gustavs Ferienhaus. Der Roman hat keinen wirklichen Spannungsbogen und auch wenn das richtige Leben nicht immer super aufregend ist, fühlte es sich an, als würde man sich gemeinsam mit den Charakteren ständig im Kreis drehen. Character development ist nur bedingt vorhanden und Martina ist auch am Ende ungefähr so lost wie zu Beginn des Romans — aber irgendwie konnte ich auch damit sehr relaten, da es auf manche Fragen einfach keine eindeutigen und zufriedenstellenden Antworten gibt.

Für mich war „Die beste aller Beziehungen“ ein Roman den ich gerne gelesen habe, aber nicht uneingeschränkt empfehlen würde. Man braucht definitiv Ausdauer, wird aber auch mit einer besonderen Geschichte belohnt.