Ein eindrucksvoller Roman von zeitloser Aktualität.
Die beste aller Beziehungen ist ein Roman, den ich gerne weiterempfehle.
Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mich mit einer Rezension schwer getan habe, weil es so komplex daher kommt.
Es ist ein echter Wälzer, ein Schmöker, eine brobdingnagische Aufgabe.
Es ist schwer, es ist anstrengend, es fordert heraus. Denn Protagonistin Martina hinterfragt wirklich jede Regung, jedes Wort.
Und es ist wundervoll.
Mit der Feststellung im Vorwort, es sei „auf eine vollkommen andere Art ungeschminkt“, denn „ungeschminkt“ bedeute heute etwas grob Intimes, nahezu Pornografisches, konnte ich zunächst unter großem Widerstand nicht ganz mitgehen - denn wo führt es uns hin, die ursprüngliche „ungeschminkte Wahrheit“ derart zu „radikalisieren“, sie in ein Extrem hineinzudenken?
Doch vielleicht liegt hierin tatsächlich der Kern einer Wahrheit unserer Zeit.
Wenn authentische und integre Ehrlichkeit, wie die unserer Protagonistin es oft ist, zu etwas stilisiert wird, das heute zwangsläufig als etwas grob Intimes, Pornografisches gefühlt werden muss, ist es dann nicht kein Wunder, dass sie selten wird, verpönt, kritisiert, dass sie Angst macht und wir mit ihr nicht mehr vertraut sein können?
Gerade in Zeiten des wieder zunehmenden sozialen Misstrauens, einer dialoggestörten Zeit?
Dass eine Martina als „herausfordernd“ kategorisiert werden muss, weil sie „ihre Beziehungen ernst nimmt“, weil sie sie reflektiert, durchdenkt, gestalten will - aber eben auch auf den Prüfstand stellt, hinterfragt, kritisiert, anzweifelt und sich damit verletzlich zeigt, angreifbar?
Weil sie aus der Reihe tanzt?
„Grob intim“, „pornografisch“ als Klassifizierung dafür, wie wir ehrlich, wahrhaftig sein einordnen: Krasser, absoluter, extremer; das ist ein Symptom unserer Zeit. Aber auch: ängstlicher, feiger, narzisstischer, kränkbarer, distanzierter, isolierter. Wenn wir Offenheit und Authentizität so empfinden.
Vielleicht ist es das, was den Ansatz dieses Buches so interessant macht. Eben weil er uns zeigt, wie es sein kann, wie es sein darf, wenn wir lieben, wenn wir in Beziehung gehen. Welche auch immer, übrigens.
Ein Buch von 1976, neu aufgelegt. So aktuell jetzt, wie schon seinerzeit. Das scheint erstaunlich.
Ich denke, es ist ganz genau das, was immer schon dem „Ungeschminkten“ inhärent war, woran wir uns heute wieder erinnern dürfen. Ehrlichkeit. Echtheit. Integre Authentizität.
Ein Zurück zur echten Verbindung, statt zur ängstlichen Distanz, zur gelebten Akzeptanz und dem Erforschen von Unterschieden, statt zum Erzwingen von Gemeinsamkeit als Konformität. Ein Miteinander, statt eines Gegeneinanders. Im Dialog.
Zu einem „Normal“-Denken, statt einer empfindlichen Übersteigerung der Begrifflichkeiten, die uns letztlich voneinander entfernt und ausbrennt. Denn: was darf man eben dann noch sagen, wenn jede Ehrlichkeit des eigenen Fühlens und jede Gestaltung der eigenen Beziehungen als „grob“ intim, mit einem nahezu pornografischen Charakter automatisch auch als potenziell grenzverletzend, übergriffig, weil eindring-lich, bewertet wird? Als Angriff; auf den Anderen, das Andere, die Anderen? Als Rütteln am auf tönernen Füßen gebauten Selbstbild; des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft?
„Ungeschminkt“ ist nicht grob intim, pornografisch, oder ungeschont, grob, verletzend. Es ist echt. Es ist verbindend. Es ist nah. Und es ist sicher dringend an der Zeit, dass wir die Angst vor dem Nah-Sein wieder ablegen. Und dafür eben auch die Angst vor Konfrontation, vor Verletzlichkeit, Echtheit. Wir haben verlernt, uns sichtbar zu machen und wir haben verlernt, die volle Verantwortung für uns selbst und unsere Beziehungen zu übernehmen. Auch für die zu uns selbst.
Martina, einfach als Kind ihrer Zeit, aber auch als Vorreiterin dieser, geht uns da ganz gut voraus. Natürlich weit überspitzt hier und da, doch dieser Roman hat eine zeitlose, allgemeingültige Wahrheit, die ganz unabhängig seines zeitlich-politischen Kontextes stattfindet; auch wenn selbiger durchaus interessant nachzuvollziehen ist.
Wir sind in einer Zeit in Beziehung, die uns, individualistischer denn je, vor die Frage stellt, wie man trotz Freiheit lieben kann. Eben jene Frage, die Martina andersherum stellt: wie kann man trotz Liebe frei sein? Am Ende ist es einerlei, die Antwort bleibt gleich. Wir müssen reden. Miteinander und auch mit uns selbst. Ein Hoch also auf Martina und ihr mutiges Beispiel, aus dem wir heute wie damals so viel mitnehmen können. Es ist der Mühe wert.
Es ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich mich mit einer Rezension schwer getan habe, weil es so komplex daher kommt.
Es ist ein echter Wälzer, ein Schmöker, eine brobdingnagische Aufgabe.
Es ist schwer, es ist anstrengend, es fordert heraus. Denn Protagonistin Martina hinterfragt wirklich jede Regung, jedes Wort.
Und es ist wundervoll.
Mit der Feststellung im Vorwort, es sei „auf eine vollkommen andere Art ungeschminkt“, denn „ungeschminkt“ bedeute heute etwas grob Intimes, nahezu Pornografisches, konnte ich zunächst unter großem Widerstand nicht ganz mitgehen - denn wo führt es uns hin, die ursprüngliche „ungeschminkte Wahrheit“ derart zu „radikalisieren“, sie in ein Extrem hineinzudenken?
Doch vielleicht liegt hierin tatsächlich der Kern einer Wahrheit unserer Zeit.
Wenn authentische und integre Ehrlichkeit, wie die unserer Protagonistin es oft ist, zu etwas stilisiert wird, das heute zwangsläufig als etwas grob Intimes, Pornografisches gefühlt werden muss, ist es dann nicht kein Wunder, dass sie selten wird, verpönt, kritisiert, dass sie Angst macht und wir mit ihr nicht mehr vertraut sein können?
Gerade in Zeiten des wieder zunehmenden sozialen Misstrauens, einer dialoggestörten Zeit?
Dass eine Martina als „herausfordernd“ kategorisiert werden muss, weil sie „ihre Beziehungen ernst nimmt“, weil sie sie reflektiert, durchdenkt, gestalten will - aber eben auch auf den Prüfstand stellt, hinterfragt, kritisiert, anzweifelt und sich damit verletzlich zeigt, angreifbar?
Weil sie aus der Reihe tanzt?
„Grob intim“, „pornografisch“ als Klassifizierung dafür, wie wir ehrlich, wahrhaftig sein einordnen: Krasser, absoluter, extremer; das ist ein Symptom unserer Zeit. Aber auch: ängstlicher, feiger, narzisstischer, kränkbarer, distanzierter, isolierter. Wenn wir Offenheit und Authentizität so empfinden.
Vielleicht ist es das, was den Ansatz dieses Buches so interessant macht. Eben weil er uns zeigt, wie es sein kann, wie es sein darf, wenn wir lieben, wenn wir in Beziehung gehen. Welche auch immer, übrigens.
Ein Buch von 1976, neu aufgelegt. So aktuell jetzt, wie schon seinerzeit. Das scheint erstaunlich.
Ich denke, es ist ganz genau das, was immer schon dem „Ungeschminkten“ inhärent war, woran wir uns heute wieder erinnern dürfen. Ehrlichkeit. Echtheit. Integre Authentizität.
Ein Zurück zur echten Verbindung, statt zur ängstlichen Distanz, zur gelebten Akzeptanz und dem Erforschen von Unterschieden, statt zum Erzwingen von Gemeinsamkeit als Konformität. Ein Miteinander, statt eines Gegeneinanders. Im Dialog.
Zu einem „Normal“-Denken, statt einer empfindlichen Übersteigerung der Begrifflichkeiten, die uns letztlich voneinander entfernt und ausbrennt. Denn: was darf man eben dann noch sagen, wenn jede Ehrlichkeit des eigenen Fühlens und jede Gestaltung der eigenen Beziehungen als „grob“ intim, mit einem nahezu pornografischen Charakter automatisch auch als potenziell grenzverletzend, übergriffig, weil eindring-lich, bewertet wird? Als Angriff; auf den Anderen, das Andere, die Anderen? Als Rütteln am auf tönernen Füßen gebauten Selbstbild; des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft?
„Ungeschminkt“ ist nicht grob intim, pornografisch, oder ungeschont, grob, verletzend. Es ist echt. Es ist verbindend. Es ist nah. Und es ist sicher dringend an der Zeit, dass wir die Angst vor dem Nah-Sein wieder ablegen. Und dafür eben auch die Angst vor Konfrontation, vor Verletzlichkeit, Echtheit. Wir haben verlernt, uns sichtbar zu machen und wir haben verlernt, die volle Verantwortung für uns selbst und unsere Beziehungen zu übernehmen. Auch für die zu uns selbst.
Martina, einfach als Kind ihrer Zeit, aber auch als Vorreiterin dieser, geht uns da ganz gut voraus. Natürlich weit überspitzt hier und da, doch dieser Roman hat eine zeitlose, allgemeingültige Wahrheit, die ganz unabhängig seines zeitlich-politischen Kontextes stattfindet; auch wenn selbiger durchaus interessant nachzuvollziehen ist.
Wir sind in einer Zeit in Beziehung, die uns, individualistischer denn je, vor die Frage stellt, wie man trotz Freiheit lieben kann. Eben jene Frage, die Martina andersherum stellt: wie kann man trotz Liebe frei sein? Am Ende ist es einerlei, die Antwort bleibt gleich. Wir müssen reden. Miteinander und auch mit uns selbst. Ein Hoch also auf Martina und ihr mutiges Beispiel, aus dem wir heute wie damals so viel mitnehmen können. Es ist der Mühe wert.