Zu viel Auf und Abs

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Der Roman „Die beste aller Beziehungen“ von Gun-Britt Sundström erschien in seiner ursprünglichen Version vor 50 Jahren (1976) in Schweden und gilt dort als „Kultbuch“. Nun gibt es diese neue Übersetzung und ich habe mich schon zu Beginn gefragt, ob dieser Titel wohl ironisch gemeint ist. Hat sich das Bild „der besten aller Beziehungen“ innerhalb 50 Jahre nicht komplett verändert? Ich möchte nur so viel vorwegnehmen, dieser Roman ist in seiner Aktualität nicht gealtert.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Martina und Gustav, sowie ihre Beziehung zueinander. Man wird wie in die Geschichte hineingeworfen und geht ziemlich direkt im ersten Kapitel mit den beiden auf ihr erstes Date ins Theater. Erstaunlicherweise werden auf 639 Seiten kaum Zeit- und Altersangaben zu den Hauptpersonen gemacht, so konnte ich bis über die Hälfte des Buches hinaus nicht genau abschätzen, wie alt die beiden sind und wie lange ich sie in ihrer Beziehung begleite. Die Beziehung der beiden wurde sehr ehrlich dargestellt, mich haben die ständigen Auf und Abs bzw. das Hin und Her der beiden sehr angestrengt: Fast dreiviertel des Buches wurde eine gute Beziehungsphase von einer schlechten abgelöst und das in ständiger Wiederholung. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass Gustav und Martina nicht ohne, aber auch nicht miteinander leben können. Die Dynamik zwischen den beiden war zeitweise toxisch und es fehlte ihnen an ehrlicher Kommunikation. Die Autorin hat einen eingängigen, gut lesbaren Schreibstil, der gleichzeitig einen gewissen intellektuellen Anspruch an den Leser stellt, denn es geht viel um Literatur, Philosophie und Politik aus Skandinavien. Das in der Übersetzung das Wort „Ehe“ statt „Beziehung“ und „Scheidung“ statt „Trennung“ genutzt wurde, ohne das eine Hochzeit stattgefunden hat, fand ich irritierend. Der Letzte Teil der Geschichte hat mich mit dem langen Mittelteil in dem mich die Beziehung der beiden mehr genervt hat, versöhnt. Die Autorin hat für „die beste aller Beziehungen“ ein realistisches Ende gefunden. Ich kann das Buch leider nur bedingt empfehlen.