Cozy Krimi aus Japan

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Kaede, eine junge Grundschullehrerin, besucht regelmäßig ihren an einer besonderen Form der Demenz – der Lewy-Körper-Demenz – erkrankten Großvater. Diese Erkrankung, bei der optische Halluzinationen typisch sind, wird in der Geschichte auf einfühlsame und zugleich erstaunlich lebendige Weise thematisiert. Besonders beeindruckt hat mich die Figur des Großvaters: Trotz seiner fortschreitenden Krankheit philosophiert er in klaren Momenten klug und berührend über das Leben und seine Situation.

Das Buch ist zugleich eine liebevolle Hommage an klassische Kriminalromane. Kaede und ihr Großvater teilen diese Leidenschaft – und so stürzen sie sich gemeinsam in eine Reihe raffinierter Fälle. Dabei übernimmt der Großvater auf ganz eigene Weise die Rolle des Detektivs: Statt einer Pfeife bittet er um eine Gauloises und beginnt dann, in bester Sherlock-Manier seine Theorien zu spinnen – oder wie er es nennt: Geschichten. Mit seinem beeindruckenden Deduktionsvermögen – und gelegentlich auch mithilfe seiner Halluzinationen – setzt er alle Puzzleteile zusammen und gelangt schließlich zur finalen Schlussfolgerung.

Was mich dabei besonders überrascht hat: Obwohl der Klappentext bereits andeutet, dass die Hauptfiguren im Alltag auf viele kleine und große Rätsel treffen, hatte ich nicht erwartet, dass mir tatsächlich so viele kompakte Einzelfälle begegnen würden. Gerade diese Vielfalt hat für mich die Lektüre besonders spannend und kurzweilig gemacht. Die Fälle werden teils durch kleine Skizzen der Tatorte ergänzt, was die Ermittlungen visuell unterhaltsam unterstützt. Trotz der vielen Einzelfälle bleibt die Haupthandlung aber stets präsent und somit ein roter Faden, der alles zu einem stimmigen Gesamtbild verwebt. Doch lange bleibt das berührende Opa-Enkeltochter-Gespann nicht bloß in der außenstehenden Detektivrolle. Schon bald finden sie sich in ihrem ganz eigenen Kriminalfall wieder, der zum Ende hin sogar richtig gefährlich wird und das zuweilen gemütliche Couchkrimi-Gefühl überraschend aufbricht.
Ein weiteres Plus war für mich die zurückhaltende Darstellung sich anbahnender Liebesbeziehungen. Diese ruhige Erzählweise passte gut zur Gesamtstimmung des Buches.

„Die Bibliothek meines Großvaters“ besticht neben herzerwärmenden Charakteren durch eine unerwartete Spannung, die bis zum Schluss fesselt.