Eine italienische Familiengeschichte

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leseratte1310 Avatar

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Lizzanello 1934: Anna und Carlo haben geheiratet und wollen sich mit ihrem kleinen Sohn Roberto in dem Dorf niederlassen. Es ist Carlos Heimat und er freut sich wieder da zu sein. Doch Anna kommt aus dem Norden. Sie ist eine emanzipierte junge Frau, die sich nicht verhält, wie man es im Dorf gewohnt ist. Den Regeln dieses Dorflebens will sie sich nicht unterordnen und wird weiterhin als Fremde betrachtet. So geht sie ihren eigenen Weg, lässt sich auch trotz Widerständen nicht unterkriegen und wird Briefträgerin. Sie liebt ihren Mann, aber fühlt sich auch zu ihrem Schwager Antonio hingezogen, der Carlo zwar sehr ähnlich sieht, aber so ganz anders ist als sein Bruder.

Der Schreibstil der Autorin Francesca Giannone ist gut und flüssig zu lesen. Es gefällt mir, dass es immer wieder Perspektivwechsel gibt. Wir dürfen das Leben der Briefträgerin über zwanzig Jahre verfolgen, so dass wir mehrere Generationen der Familie und viele Dorfbewohner kennenlernen. Das Dorfleben ist sehr anschaulich beschrieben.

Die Charaktere in dieser Geschichte sind authentisch und realitätsnah darstellt, jeder hat seine Eigenarten. Im Dorf kennt jeder jeden und man weiß vieles über die anderen. Aber jeder hat auch seine Geheimnisse. Anna ist eine selbstbewusste und schöne Frau, die im Norden als Lehrerin gearbeitet hat. Sie vermisst diesen Job und leidet noch unter dem Verlust ihrer Tochter. Carlo ist lange weggewesen und nun umso glücklicher, dass er zurück in der Heimat und bei seiner Familie ist. Für Carlo ist es ein Nachhausekommen, doch Anna hat alles aufgegeben, um ihren Mann zu begleiten. Carlo liebt seine Frau, aber er kann sie auch oft nicht verstehen. Antonio ist gleich fasziniert von seiner Schwägerin, als er seinen Bruder mit Familie am Bus abholt. Seine Frau Agata versucht ihrer Schwägerin ziemlich übergriffig ihre Vorstellungen aufzudrängen. Dass ihre Tochter Lorenza ganz begeistert von ihrer Zia ist, gefällt ihr auch nicht. Anna ist erleichtert, wenn Agata nicht ständig auftaucht. Umso lieber verbringt sie ihre Zeit mit Lorenza. In ihrem Beruf als Briefträgerin lernt Anna viele Menschen kennen und freundet sich auch mit einigen an.

In der Zeit, in der dieser Roman spielt, waren die Rechte der Frauen sehr eingeschränkt. Doch Anna lässt sich nicht beirren und geht ihren Weg, auch wenn es ihr nicht leicht gemacht wird.

Diese berührende und interessante Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Empfehlenswert!