Eine spannende Welt, die aber einiges abverlangt

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern Leerer Stern
jukafo Avatar

Von

„Die dem Echo trotzen“ hat definitiv eine interessante Grundidee und punktet bei mir vor allem mit einem angenehmen Schreibstil und einer ordentlichen Portion Sarkasmus. Gerade der teilweise sehr trockene und bissige Humor hat mir gut gefallen. Auch die stellenweise ziemlich derbe Sprache hat mich persönlich nicht gestört – sie passt für mich zur Geschichte und ihren Charakteren.

Allerdings ist das Buch wirklich sehr anspruchsvoll. 

Es werden zahlreiche Fremdwörter und Begriffe verwendet, die im Text nicht näher erklärt werden. Für mich war das beim Japanischen glücklicherweise weniger problematisch, da ich damit bereits etwas vertraut bin. Beim Mafia-Setting sah es  schon anders aus. Wer sowohl mit den japanischen Begrifflichkeiten als auch mit diesem Themenbereich wenig anfangen kann, dürfte es vermutlich deutlich schwerer haben.

Dazu kommt eine ohnehin schon sehr komplexe Welt: eigene Zeiten, Sprachen, Völker und Länder mit eigener Geschichte. Die Karte ist deshalb wirklich Gold wert. Zwar gibt es zusätzlich ein Glossar und ein Figurenverzeichnis, im E-Book fand ich deren Nutzung allerdings ziemlich umständlich. Außerdem hätte ich mir gerade beim Glossar deutlich ausführlichere Erklärungen gewünscht. Manche Begriffe bleiben für meinen Geschmack sehr knapp oder sogar ganz ungeklärt. Gerade bei "Pendulon" hätte ich gerne mehr Hintergrundinformationen gehabt, da diese Dinger offenbar eine besondere Bedeutung haben.

Sehr gut gefallen haben mir dagegen die Charaktere. Man begleiten drei Hauptfiguren aus ihren jeweiligen Perspektiven – und das Interessante ist: Alle drei sind auf ihre ganz eigene Art irgendwie unsympathisch. 😅 Das fand ich aber tatsächlich erfrischend, weil dadurch niemand ein klassisch strahlender Fantasy-Held ist.

Auch die Handlung konnte mich mit spannenden Wendungen und Action-Szenen überzeugen. Besonders gefallen hat mir außerdem, dass die Geschichte ohne einen nennenswerten Romance-Plot auskommt. 

Schwieriger fand ich die Perspektivwechsel. Zusammen mit den vielen Informationen machen sie es nicht gerade einfacher, den Überblick zu behalten. Auch die Verbindung zwischen den drei Figuren wird nur sehr langsam deutlich. Bei einer Figur war mir selbst gegen Ende noch nicht vollständig klar, wie genau die Zusammenhänge einzuordnen sind.

Insgesamt hat „Die dem Echo trotzen“ für mich eine starke Grundidee, interessante Charaktere und einen gelungenen Schreibstil, ist aber gleichzeitig ein ausgesprochen komplexes und teilweise überfrachtetes Buch. Man muss bereit sein, einiges zunächst einfach hinzunehmen und darauf zu vertrauen, dass sich Zusammenhänge irgendwann erschließen.

Wer anspruchsvolle Fantasy mit komplexem Worldbuilding, ungewöhnlichen Charakteren, Action und ohne Romance sucht, wird hier fündig. Wer dagegen einen leichteren Einstieg und viele Erklärungen benötigt, könnte überfordert sein.