Gut zu lesen, aber konventionell

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wanderdrache Avatar

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Das Buch enthält einige ungewöhnliche Ansätze, erfüllt insgesamt aber viele Genrekonventionen. Es ist angenehm zu lesen und die Figuren funktionieren, für mich hätte es aber mehr Innovation und vor allem ein stringenterer Spannungsbogen sein dürfen.

Schreibstil:

Der Schreibstil ist flüssig, die Dialoge schlagfertig. Das hat für mich also funktioniert. Hin und wieder gab es ein paar Wortwiederholungen und auch einprägsamere Bilder hätte es geben können, aber der Text war auf jeden Fall zügig lesbar.

4,5 Sterne

Charaktere:

Die Figuren haben ihre Eigenheiten und wirken irgendwie auch lebendig, keinesfalls eindimensional. Dabei sind sie nun nicht übermäßig originell, aber sie funktionieren auf jeden Fall. Was mir gefehlt hat, war einerseits das Einprägsame. Andererseits war für mich an Nobu nun wirklich überhaupt nichts sympathisch, d. h. mir hat hier komplett die Ambivalenz gefehlt, die ich bei Buchcharakteren schätze. Ich schwanke deshalb zwischen 4 und 4,5 Sternen und gebe den besseren Wert.

4,5 Sterne

Handlung und Struktur:

Die Kapitel waren angenehm kurz, sodass man hier sehr flott durchkommt. Auch sind die Szenen so entwickelt, dass es immer wieder Spannungsmomente gibt. Allerdings war mir lange nicht klar, worum es in dem Buch überhaupt geht. Die drei Protagonist*innen werden vorgestellt, ihre Lebenssituation gezeigt und ein paar Andeutungen von Scherereien gemacht, in die sie sich schließlich immer mehr verwickeln. Aber wo liegt denn nun die Bedrohung und der entscheidende Konflikt, der vorangetrieben wird? Was ist der rote Faden, dem wir folgen sollen? Hier hätte ich mir mehr Tempo und Stringenz gewünscht. Normalerweise gebe ich einem Buch 100 Seiten, um mich zu überzeugen. Weil dieses ein Rezensionsexemplar war, hat es deutlich mehr bekommen. Aber auch nach der Hälfte ist die Handlung für mich einfach nur dahinmäandert und konnte mich einfach nicht interessieren.

1,5 Sterne

Tiefgang:

Dem Buch geht es um Figuren und Setting, nicht um Tiefgang. Es zeigt die Charaktere in ihren jeweiligen unterschiedlichen Leben und zeigt dabei auch ihre Probleme und di Hürden. Insgesamt ging es aber nicht darüber hinaus.

3 Sterne

Worldbuilding:

Die zwei Schauplätze sind einmal japanisch angelehnt und einmal italienisches Mafiasetting. Zeitlich ist das Ganze schwer einzuordnen. Es fehlt an fortschrittlicher Technik, aber es gibt Kolonialwaren wie Zigarren und Schokolade. Das schien mir alles nicht so ganz konsistent. Auch hatte ich das Gefühl, ein paar Versatzstücke aus anderen Nachbarn im selben Genre zu entdecken (z. B. Joe Abercrombie und George R. R. Martin). Insgesamt war mein Eindruck deshalb, dass sich hier originelle Elemente auf der einen mit sehr konventionellen Motiven auf der anderen Seite mischen. Den Ansatz mit den Settings fand ich gut, aber ich hätte mir mehr Tiefgang und dann eben auch auf der Erzählebene und bei den Charakteren mehr Ungewöhnliches gewünscht.

4 Sterne

Das Buch hatte einige Elemente, die ich mochte: den Schreibstil, den Fokus auf die Figuren, die ungewöhnlichen Elemente beim Setting. Für mich kam die Handlung aber einfach nicht voran. Hinzu kamen eine Reihe an Motiven und Narrativen, dir sehr bekannt sind, sodass sie mir nichts Neues mehr bieten. Ich hatte manchmal das Gefühl, das Buch ist einfach nur aus dem Genrebaukasten zusammengesetzt, ohne etwas wirklich Frisches. Kurzum: Ich hätte mir hier mehr Innovation gewünscht, die über das reine Setting hinausgeht und dazu eine stringentere Handlung. Für Fans des Genres, die womöglich mehr Geduld als ich aufbringen oder Leser*innen, die mit den Konventionen schlechter vertraut sind, ist das Buch aber vermutlich keine schlechte Wahl, weil es angenehm geschrieben ist und auch ein paar nette Ideen enthält.

Gesamtwertung: 3,5 Sterne, macht gerundet 4 Sterne