Spannend

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therealmike Avatar

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Dieser Auftakt hat mich sofort mit seiner Spannung gepackt: eine verzweifelte Ehefrau, eine Gabel als improvisiertes Einbruchswerkzeug, ein verschlossener Aktenkoffer unter dem Bett, das ist ein kraftvoller, fast thrillerhafter Einstieg für einen Roman über Matisse und die Frauen in seinem Leben. Die Autorin lässt Amélie in einem Moment vollkommener Verzweiflung und Kontrollverlust auftreten, was sie sofort menschlich und nachvollziehbar macht, auch wenn ihr Verhalten grenzüberschreitend ist.

Besonders gut gefällt mir, wie vielschichtig Amélies Gefühle gezeichnet werden, ihre Dankbarkeit gegenüber Lydia in den ersten Jahren, die sich langsam in Misstrauen und Eifersucht verwandelt, ihr Bewusstsein für die eigene Verletzung der Privatsphäre und trotzdem die Entschlossenheit, weiterzumachen. Das macht sie zu einer echten, widersprüchlichen Figur und nicht zur bloßen betrogenen Ehefrau. Auch der Cliffhanger mit der Pistole am Ende der Szene ist geschickt gesetzt, ohne aufgesetzt zu wirken.

Der Sprung zurück nach 1897, zu Amélies Hochzeit, wirkt im Vergleich dazu deutlich ruhiger und konventioneller, aber das ist wohl gewollt, um den langen Bogen dieser Ehe von Anfang an aufzuspannen. Bin gespannt, wie sich die Geschichte zwischen den drei Frauen in Matisses Leben, Amélie, Lydia und vermutlich noch einer dritten, aufgehend auf den Buchtitel, über die Jahrzehnte entwickeln wird.