Wie kunstvoll
Paris, die Côte d’Azur, die Kunstszene der 1930er-Jahre und mittendrin drei Frauen, deren Leben mit Henri Matisse verbunden sind – allein diese Kombination hat mich bei der Leseprobe schon ziemlich neugierig gemacht. Besonders interessant finde ich, dass nicht Matisse selbst im Mittelpunkt steht, obwohl er natürlich die zentrale Figur ist, sondern Amélie, Lydia und Marguerite. Jede der drei Frauen hat eine ganz andere Beziehung zu ihm: als Ehefrau, Muse und Tochter. Dadurch bekommt man offenbar drei völlig unterschiedliche Blickwinkel auf denselben Menschen und auf die glamouröse, aber wahrscheinlich auch ziemlich schwierige Welt hinter der Kunst. Lydia finde ich dabei besonders spannend, weil sie als junge russische Geflüchtete zunächst im Atelier arbeitet und dadurch in eine Welt hineingerät, die ihr vorher vermutlich völlig fremd war. Auch die Spannung zwischen Kunst, Liebe und persönlichen Abhängigkeiten finde ich vielversprechend. Die Leseprobe vermittelt für mich außerdem eine sehr sinnliche Atmosphäre – die Hitze der Côte d’Azur und das Künstlerleben lassen alles gleichzeitig wunderschön und ein bisschen gefährlich wirken. Ich mag besonders, dass schon angedeutet wird, dass hinter der Fassade von Glamour und großer Kunst auch Eifersucht, Verrat und Macht eine Rolle spielen. Dadurch wirkt die Geschichte für mich nicht wie eine trockene Künstlerbiografie, sondern wie ein Roman über drei Frauen, die versuchen, ihren eigenen Platz in einer Welt zu finden, in der ein berühmter Mann zunächst sehr viel Raum einnimmt. Nach der Leseprobe würde ich auf jeden Fall weiterlesen, weil ich unbedingt wissen möchte, wie sich die Beziehungen zwischen den drei Frauen und Matisse entwickeln und ob sie es schaffen, aus ihren jeweiligen Rollen auszubrechen.