Hinter den Kulissen der Kunst: Die wichtigsten Frauen im Leben des Malers Matisse
„Die drei Farben der Liebe“ ist ein bemerkenswerter und überaus fesselnder Roman von Sophie Haydock über das Leben des berühmten französischen Malers und Zeichners, Grafikers und Bildhauers Henri Matisse, erschienen beim Hoffmann und Campe Verlag. Die 412 Seiten lasen sich für mich im Fluge, in nur zwei Tagen hatte ich die Lektüre mit Begeisterung ausgelesen, ich verlor mich vollkommen in den Tiefen dieser Erzählung. Die Besonderheit an diesem Roman ist, dass es aus dem Blickwinkel von drei Frauen erzählt, die für Matisse die tragenden Säulen in seinem Leben und Schaffen waren. Die Leserschaft wird höchst emotional in alle inneren wie äußeren Kämpfe der drei Frauen miteinbezogen, das machte das Lesen einfach unwiderstehlich spannend. Bereits das Kennenlernen von Matisse und seiner späteren Frau Amélie ist aufregend. Matisse, im Jahre 1869 geboren, lernt bei einer Hochzeit 1897 in Paris, seine spätere Ehefrau Amélie Parayre kennen, bereits drei Monate später wird geheiratet. Und das, obwohl Matisse ein mittelloser und von allen Seiten milde belächelter Künstler ist, der sein Jurastudium abgebrochen hat, auch das elterliche Geschäft (Samenhandlung) nicht übernommen hat, obwohl er der älteste Sohn ist, und zudem noch eine uneheliche Tochter hat. Doch das ist Amélie alles egal. Sie steht unumstößlich hinter Henri und seiner Leidenschaft und großen Liebe: Das Malen. Dies wird jahrzehntelang in der Ehe so bleiben - während Matisse sich mit unterbezahlten Gelegenheitsarbeiten durchhangelt, glaubt seine Frau an ihn und bringt sogar zeitweise ihren Hochzeitsschmuck in ein Pfandhaus, um die Familie über Wasser zu halten. Auch die uneheliche Tochter Marguerite holt selbstlos ins Haus und zieht diese liebevoll mit ihren eigenen Söhnen Jean und Pierre groß. Doch diese Aufopferung für Henri und die Familie kostet Kraft. Während Matisse langsam erfolgreicher wird, und gute Kontakte nach Amerika aufbaut, schwindet sein Interesse gleichsam an seiner zunehmend kränklicher werdenden Ehefrau, sie inspiriert ihn nicht mehr, wie einst. Das kränkt Amélie und macht sie eifersüchtiger macht. Als die junge Russin Lydia ins Haus kommt, um sich um Amélie zu kümmern, kommt es zum schrittweisen Zerfall der Familie. Die schicksalsgebeutelte Immigrantin gewinnt immer mehr an Bedeutung für Henris Schaffenskunst und wird seine geliebte Muse. Matisse liebt alle drei Frauen, eine jede auf seine ganz eigene Art und Weise, und versinnbildlicht diese Liebe dann auch in den unterschiedlichsten Gemälden. Jeder Frau ist im Buch ein separates Kapitel gewidmet, durch die unterschiedlichen Blickwinkel war es äußerst interessant, wie sie die Stationen in ihrem Leben mit Matisse emotional erleben und bewerten. Dadurch wurde das Buch so lebendig und die Figuren so nahbar, ganz anders, als wenn man eine starre Biographie liest, die sich an Daten und Fakten festhält. So wird auch der Einmarsch der Deutschen Wehrmacht im Juni 1940 in Paris in den Roman eingebaut. Matisse wurde ja bekanntermaßen von den Nazis verachtet, seine Werke aus deutschen Musen verbannt, dennoch einige seiner Kunstwerke gestohlen. Dass sowohl Amélie als auch Matisses Tochter für den Untergrund tätig wurden, habe ich im Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen nicht gewusst, die Schilderungen rund um die Inhaftierung von Marguerite waren ergreifend und haben mich betroffen gemacht. Traumhafte Hauptschauplätze durchzogen allerdings einen großen Teil des Buches und beeinflussten auch stark die Kunst von Matisse - neben Paris auch die Cote d`Azur, Nizza und Korsika. So prägten das Einwirken von Licht und den leuchtenden Farben des Südens, wie am Mittelmeer, Matisses Blick. Auch dies wird sehr schön beschrieben im Buch, ohne, dass man für das Verstehen über umfangreiches Kunstwissen verfügen muss. Der Roman lebt von den drei Frauen Amélie, Lydia und Marguerite. Diese Figuren sind tragend und machen die Lebendigkeit dieses Buches aus. Matisse mit allen seinen widersprüchlichen Facetten wird sehr eindringlich beschrieben, der besessene und arbeitswütige, rastlose Mann, der nur für seine Kunst lebte, getrieben von innerer Unruhe, aber auch Zweifeln und Versagensängsten. Dem die echte Abbildung nicht wichtig war, sondern die emotionale Wirkung der Farbe. Und der bis zu seinem bitteren Ende trotz schwerer Erkrankung und Dahinsiechen für seine Kunst gelebt hat. Allen drei Frauen hat er eine Farbe gegeben, denn jede von ihnen hat er auf seine ganz eigene Art geliebt. Ich war sehr angetan vom Roman, der höchst interessante und persönliche Einblicke in das Leben der Familie Matisse gewährt hat. Ich empfehle dieses außergewöhnliche Buch sehr gerne weiter, dieses Werk vereint sämtliche Qualitäten, die eine bereichernde Lektüre ausmachen.