Mentale Satzlabyrinthe

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
tinebook87 Avatar

Von

Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen in einer Bücherverrückten Familie, daher rührt wohl seine Leidenschaft, in einem Haus welches buchstäblich von den Büchern darin getragen wird.

Auf der jährlichen Reise nach Coxwold zum Todestag seines liebsten Schriftstellers, den 250. Todestag diesmal, beginnt das monologische Gedankenspiel des Romans. Shandy erzählt von Gegenwart, von Vergangenheit, Zukunft, von Wirklichkeit und Unwirklichkeit, die er sich selber ausmalt. Alles in einem Geflecht aus Sätzen und Gedankensprüngen, die wie ein bunter zu strickender Schal wirken, wo auf kurz über lang, eine Farbe die andere ablöst, ein Gedanke den nächsten strickt, um am Ende alle Fäden zusammenlaufen.

Markus Orths hat mit diesem Werk eine verbale Explosion geschaffen. Es war anfangs schwierig, den Gedanken des Erzählers zu folgen. Irgendwann gibt man sich dem Wechselspiel hin und wartet, diese teils skurrilen Sätze mit ihrem Inhalt lesend, ab wohin die mentale Reise führt. Literarisch hat Orths hier etwas ganz Außergewöhnliches geschaffen, auch wenn ich mich mit dem Inhalt erst im letzten Drittel anfreunden konnte, haben mich die Sätze, die Metaphern, der Schreibstil fasziniert zurückgelassen. Am Ende muss sich jeder Leser selbst die Frage beantworten, was Literatur und das damit verbundene Schreiben und Lesen für ihn ist.