Überbordende Fantasie

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amiri Avatar

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Markus Orths hat einen anspruchsvollen Roman geschrieben, der seine Leser*innen vor starke Herausforderungen stellt. Es gilt, sich mit dem Autor Laurence Sterne, der im 18. Jahrhundert das Buch – oder besser die Bücher, es sind neun Bände - „Tristram Shandy…“ geschrieben hat, auseinanderzusetzen. Der Protagonist und Ich-Erzähler in „Die Enthusiasten“ ist ein absoluter Fan dieser Lektüre, sodass er zu allem bereit ist, als ein zehnter Band auftaucht, den er unbedingt besitzen muss. Immer wieder werden Passagen aus „Tristram Shandy“ zitiert, und auch ohne Kenntnis dieses Werks wird deutlich, wie detailverliebt und wenig linear Laurence Sterne damals erzählt hat. Ein wenig hat sich Markus Orths diese Erzählweise abgeschaut. Vor allem gegen Schluss finden sich Stellen, die ausufernd beschrieben werden, sodass der Blick auf die teilweise aberwitzige Handlung verloren geht.
Daneben geht es um die Familie des Protagonisten, in der Bücher, Formulierungen und Wörter eine bedeutende Rolle spielen. Diese Kapitel sind sehr berührend und einfühlsam erzählt, insbesondere wenn es um den Vater und die Mutter geht. Darüber hinaus geht es um den Ich-Erzähler selbst, der von seiner Familie dazu gebracht werden soll, endlich selbst zum Schreiben zu kommen.
Originelle, abstruse und komische Elemente sind miteinander verwoben und der Autor verfügt über eine ungewöhnliche Sprachmächtigkeit.
Herausgekommen ist ein komisches, skurriles Buch, das sich doch erkennbar an eine intellektuell und literaturwissenschaftlich vorgebildete Leserschaft wendet.