Kühle Machtspiele im ewigen Schnee Roms

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Das Grundsetting von Clara Rivas „Aurelia – Die Erbin des Feuers“ besitzt zweifellos seinen Reiz: Ein alternatives antikes Rom, das im ewigen Eis einer verehrten Schneegöttin Chione erstarrt ist und von einer weiblichen Erbfolge regiert wird, deren Herrscherinnen traditionell dem Wahnsinn und blutigen Kriegen verfallen. Bereits der drastische Prolog setzt ein klares Zeichen: Die neunjährige Aurelia ersticht eiskalt ihre eigene tyrannische Mutter Lucilla, um deren Schreckensherrschaft ein jähes Ende zu setzen, wird dadurch aber selbst zur gefürchteten Außenseiterin und Sippenmörderin am Hof.

Jahre später steht kurz vor ihrem neunzehnten Geburtstag die gefürchtete Weihe an, die ihr endgültig die Macht und womöglich denselben familiären Fluch einbringen wird. Während Aurelia nach außen hin die unnahbare, provokante Despotin mimt und sich in verbotenem Purpur zeigt, reist aus Karthago der junge Lucius an. Getrieben von familiärer Pflicht soll er sie verführen und als Ehemann einbinden, um einen drohenden Vernichtungsfeldzug gegen seine Heimat abzuwenden. Ihr erster Schlagabtausch im prunkvollen Marmorsaal knistert zwar vor Feindseligkeit, politischem Misstrauen und zynischen Drohungen, doch bedient die Dynamik schnell die typischen Klischees des „Enemies-to-Lovers“-Musters. Die demonstrative Arroganz, die ausschweifenden Palastorgien und das ständige Betonen von innerer Kälte und Grausamkeit wirken an manchen Stellen arg konstruiert und bemüht düster.

Ich werde diesen Roman eher nicht weiterlesen. Für Fans von jugendlicher Romantasy mit antiker Kulisse und erbitterten Hofintrigen bietet das Buch solide Unterhaltung; mir persönlich bleiben die Figuren im ersten Eindruck jedoch zu schablonenhaft und emotional distanziert, als dass mich ihr Schicksal wirklich fesseln könnte.