Schön, aber teilweise sehr langatmig

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celinaa Avatar

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Die Fletchers von Long Island erzählt die Geschichte einer wohlhabenden jüdisch-amerikanischen Familie, deren scheinbar perfektes Leben durch die Entführung des Familienoberhauptes Carl Fletcher im Jahr 1980 aus der Bahn geworfen wird – ein Ereignis, das über vierzig Jahre später noch immer Schatten wirft. Die Erzählung erstreckt sich über mehrere Jahrzehnte, Perspektiven und Generationen und bietet einen tiefen Einblick in Dynamiken, Konflikte und das Verhältnis der Familie zu sich selbst und der Welt.


Positiv fällt vor allem die virtuose Sprache und die lebendige Figurenzeichnung auf: Die Autorin zeichnet ein vielschichtiges Bild mit schillernden, oft exzentrischen Charakteren und beobachtet mit feinem humoristischen Strich. Viele Szenen sind amüsant, überraschend und lassen den Leser immer wieder staunen, wie reich und verworren Familienbeziehungen sein können. Die Geschichte bietet zudem interessante Einblicke in jüdisch-amerikanische Lebensweisen und Traditionen.


Allerdings ist der Roman mit seinen über 500 Seiten stellenweise sehr ausschweifend und etwas langatmig. Einige Erzählstränge und Perspektivwechsel fühlen sich überfrachtet an und bremsen das Lesetempo, sodass nicht immer ein klarer Fokus erkennbar ist. Auch bleiben manche Figuren und Konflikte oberflächlich oder wirken weniger packend, als sie es in der Tiefe hätten sein können.


Insgesamt ist Die Fletchers von Long Island ein unterhaltsamer und sprachlich starker Familienroman, der mit Witz und Beobachtungsgabe punktet, aber aufgrund seiner Länge und Erzählstruktur nicht durchgehend begeistert – ideal für Leserinnen und Leser, die Lust auf ein vielschichtiges Familienepos mit Humor haben, aber keine allzu präzise, straffe Handlung erwarten