Ein Buch mit Nachwirkungen
„Die Flussfrau“ von Tanja Weber hat mich vor allem wegen Annelieses Geschichte berührt. Eine junge Frau, die nach dem tragischen Tod ihres Mannes nicht einfach das Leben weiterführt, das andere für sie vorgesehen haben, sondern sich für einen Weg entscheidet, den ihr kaum jemand zutraut: Sie wird Kapitänin.
Ich fand es beeindruckend zu lesen, wie Anneliese sich in einer Männerwelt behauptet und sich auf dem Fluss Stück für Stück ihre eigene Freiheit erkämpft. Dabei ist sie keine überzeichnete Heldin, sondern eine Frau mit Ängsten, Sehnsüchten, Fehlern und einer Vergangenheit, die sie nicht einfach hinter sich lassen kann. Gerade das hat sie für mich so glaubwürdig und nahbar gemacht.
Sehr schön fand ich auch die besondere Verbindung zwischen Anneliese und dem Fluss. Der Fluss wird im Laufe der Geschichte fast zu einem eigenen Charakter – er begleitet sie durch die Jahrzehnte, gibt ihr Freiheit, aber bewahrt gleichzeitig ihr großes Geheimnis.
Die Geschichte von Anneliese, ihrer Liebe zu Vassili und ihrem Leben auf dem Wasser hat mich immer wieder nachdenklich gemacht. Es geht um Mut, Selbstbestimmung, Verlust und darum, wie viel Kraft es manchmal braucht, sein eigenes Leben zu leben – auch wenn andere diesen Weg nicht verstehen.
Für mich ist „Die Flussfrau“ eine atmosphärische und emotionale Geschichte über eine außergewöhnliche Frau, die ihren Platz im Leben sucht und ihn schließlich auf ihre ganz eigene Weise findet. Ein Buch, das ruhig erzählt ist, aber trotzdem viel Gefühl in sich trägt und bei mir noch nach dem Lesen nachgewirkt hat.