Kriegsjahre und Familiengeschichte

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therealmike Avatar

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Dieser Auftakt hat mich mit seiner erzählerischen Doppelbödigkeit sofort überzeugt. Die kurze, bedrohliche Rahmenszene auf dem Wasser, die Schreie, das Wasser, das etwas verschluckt, wirft direkt Fragen auf, die im Raum stehenbleiben, während man dann in die Kindheit von Anneliese in den späten Dreißigerjahren eintaucht. Diese Konstruktion hat mich neugierig gemacht, ohne aufdringlich zu wirken.

Besonders überzeugt hat mich, wie die Autorin die schleichende Normalisierung des Nationalsozialismus im dörflichen Alltag einfängt, die geflickte Reiterhose, den Gauleiter Ziemsen mit seiner polierten Fassade, die stille Angst der Mutter. Die Kinderperspektive erlaubt einen Blick, der vieles nicht ganz begreift und gerade dadurch umso eindringlicher wirkt, etwa wenn Anneliese die Verwandlung ihres Vaters nach dessen Fronturlaub beobachtet, ohne die volle Tragweite fassen zu können. Auch die Freundschaft zu Edith, über Klassenunterschiede hinweg, ist mit Wärme, aber ohne Kitsch gezeichnet.

Was mich zurückhält, ist der bisher recht behäbige Erzählrhythmus, der auf den vielen Seiten stellenweise etwas ausufernd wirkt, gerade bei den Naturbeschreibungen und Alltagsdetails. Dennoch hat mich diese Familiengeschichte am Fluss, mit ihrer Verwobenheit von Krieg, Verlust und der stillen Kraft des Wassers, neugierig gemacht, wie sich Annelieses Weg über die Kriegsjahre hinaus weiterentwickelt und wie die geheimnisvolle Rahmenhandlung mit ihr zusammenhängt.