Ein Leben geprägt vom Fluss

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Tanja Weber ist mir schon von weiteren Büchern unter diesem Namen und auch unter Pseudonymen bekannt und so war auch mein Interesse an ihrem neuesten Roman direkt geweckt. Das intensivblaue Cover mit dem großen Reiher, wie man ihn oft im Umfeld von Flüssen und Seen findet, passt dazu, dass Wasser im Leben der Protagonistin Lis eine wichtige Rolle einnimmt.

Der Roman beschäftigt sich quasi mit dem kompletten Leben von Anneliese, deren Spitzname Lis von den britischen Befreiern stammt. Sie ist in einem kleinen Dorf an einem Fluss, in dem ihr jüngster Bruder in ihrem Beisein fast ertrunken wäre, aufgewachsen und war noch ein Kind, als die Nationalsozialisten in Deutschland immer mächtiger wurden. Als Jugendliche arbeitete sie dann sehr hart auf dem elterlichen Hof, um ihren Vater und die Brüder als Arbeitskräfte zu ersetzen. Und dann heiratet sie nach Kriegsende einen Binnenschiffer, der früh verunglückt, sodass sie selbst Kapitänin wird, was damals eigentlich ausschließlich Männern vorbehalten war. Somit ist auch der weitere Verlauf ihres Lebens stets vom Wasser geprägt.

Ich fand es sehr interessant, Lis durch ihr Leben zu begleiten. Grundsätzlich lese ich gerne historische Romane, die sich mit den vergangenen hundert Jahren beschäftigen und mag es, die deutsche Geschichte aus der Perspektive verschiedener Protagonist:innen hautnah mitzuerleben. Lis ist eine starke Frau, sodass es beim Lesen nicht so leicht ist, eine emotionale Bindung zu ihr aufzubauen, aber zugleich ist sie nicht unsympathisch und, wie sie trotz mancher Schicksalsschläge ihr Leben meistert, ist bewundernswert.

Der Schreibstil von Tanja Weber ist, wie von ihr gewohnt, flüssig lesbar und so anschaulich, dass man sich gut in die von ihr beschriebenen Situationen hineinversetzen kann.