Ein lebenslanger Kampf um Unabhängigkeit

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leseclau Avatar

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Lis Weg ist eigentlich vorgezeichnet. Als Bauerntochter, die ihre Jugend in den Kriegsjahren verbringt, soll sie einen Mann heiraten, der ihr ein gesichertes Leben bietet. Doch Lis ist schon immer ein Freigeist. Da kommt ihr ein junger Schiffsbesitzer gerade recht, um aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen. Liebe ist es nicht, was die beiden jungen Menschen verbindet. Doch in den Anfangsjahren ist es eine starke, gleichberechtigte Partnerschaft. Sie leben und arbeiten auf ihrem kleinen Frachtschiff und Lis hat ihre Unabhängigkeit, bieten der Fluss und der Alltag an Bord doch genügend Raum für ein Leben abseits von Konventionen.

Tanja Weber beschreibt mit ganz ruhigen Worten, fein beobachtend über das Leben von Lis. Man spürt, wie sie ihre Hauptfigur mag! Sie trifft sehr genau den Ton der Zeit und beschreibt das Leben und die geltenden Moralvorschriften, ohne zu bewerten. Das ist für mich eine ganz große Stärke des Buchs. Und sie lässt ihre Hauptfigur durchaus harte Schicksalsschläge durchleiden, sie aber nie daran zerbrechen. Gut gefällt mir auch, dass die wenigen Nebenfiguren ebenso liebevoll und detailliert ausgearbeitet sind, wie Lis.

Durch das Beobachtende kommt bei mir keine ganz große Nähe zur Hauptfigur auf. Ich bin eher interessierte Beobachterin, die das Buch einfach gerne liest.

Was ich wirklich schade finde: auf dem Cover ist für mich kein wirklich „typischer“ Storch abgebildet. Dabei sind die Störche etwas, was Lis Geborgenheit und Zuversicht gibt. DA hätte ich mir die schwarz gezeichneten Schwingen gewünscht.