Lis und das Gefühl von Freiheit auf dem Fluss
Der Roman „Die Flussfrau“ erzählt Annelieses, genannt Lis, Leben als erste Kapitänin auf dem Fluss in den 1950er Jahren. Die Geschichte ist aufgebaut in fünf Lebensabschnitte, beginnend bei Lis Kinderzeit. Sie wächst mit drei Brüdern und ihrer Freundin Edtih während des zweiten Weltkrieges unter schweren Bedingungen und harter Arbeit auf dem elterlichen Bauernhof auf. Auch nach dem Krieg sind die Entbehrungen groß und als die Amerikaner nach der Besetzung auf dem Hof erscheinen, erweist sich ausgerechnet der kleine Bruder Heini, der während der NS-Zeit nicht den deutschen Normen entsprach und sich immer verstecken musste, als sehr nützlich, da er englisch sprechen kann. Es ist auch ein Engländer, von dem Anneliese den Kurznamen Lis erhält. Als Lis mit einem Bauern, der deutlich älter ist als sie, verheiratet werden soll, ist sie froh, dass Horst in ihr Leben tritt. Er ist Schiffer und die beiden heiraten. Sein Schiff heisst Heidi und Lis fühlt sich schnell wohl und kann sich zügig auf ein Leben auf dem Fluss einlassen. Dieser Fluss wird zu Lis Sehnsuchtsort und sie fühlt sich das erste Mal im Leben frei. Es folgt ein ebenfalls schweres und hartes Leben auf dem Fluss und während des weiteren Verlaufes der ergreifenden Geschichte stirbt Horst durch ein großes Unglück. Lis macht ihr Kapitänspatent als erste Frau zu der damaligen Zeit und muss sich nun in dieser Männerdomäne behaupten. Es folgt ein lange gehegtes Geheimnis ihrer Freundin Edith und öffnet Lis die Augen, was ihren verstorbenen Mann angeht. Im Laufe der vielen Jahre, die Lis mit ihrem Schiff auf dem Fluss unterwegs ist, gibt es sehr viele Veränderungen. Unter anderem ändern sich die Schiffe, die Brücken und auch die Natur und natürlich auch Lis und ihr Leben auf der Heidi. Aber sie bleibt Zeit ihres Lebens immer herzlich verbunden mit ihrem Fluss, freut sich über das Wasser um sie herum und vor allem ihrer Freiheit. Ich habe mich gut in Lis hinein versetzen können, war sehr beeindruckt von ihrer Einstellung zum Leben und wie sie auch in harten Zeiten immer ihren Mann gestanden hat. Der flüssige Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Das Cover finde ich auch sehr gelungen, nachdem ich den Roman zu Ende gelesen habe, denn der Vogel steht für mich als Symbolik der Freiheit, die für Lis besonders wichtig ist. Auch die Unterteilung in chronologischer Reihenfolge finde ich sehr gelungen. Ich gebe gerne fünf Sterne und kann dieses Buch als beeindruckende Lektüre sehr empfehlen.