Macht braucht Haltung – und manchmal auch ein Wickelkleid.

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claudiabader Avatar

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Ein literarisches Gedankenexperiment zwischen Politik, Mode und Mut.

Ein faszinierendes Gedankenexperiment: In den 1970er-Jahren wird eine Frau zur ersten Außenministerin. Helke Specht entwirft ein Spannungsfeld zwischen politischen Machtspielen, strategischem Kalkül und gesellschaftlichen Zwängen.

Die Freundinnen der Außenministerin spiegeln die unterschiedlichen Strömungen der Zeit. Die Autorin verankert ihre fiktive Figur geschickt im politischen Kontext der Epoche und macht das Weltgeschehen spürbar.

Für mich persönlich wirkte der Nebenstrang um die Aktivistin aus dem Freundeskreis eher irritierend als bereichernd. In Kombination mit der Hauptfigur ist er zwar zeitlich und thematisch relevant, nahm für mich jedoch fast den Charakter eines eigenen Spin-offs an.

Fazit:
Ein unterhaltsamer, kluger Roman – der politische Dschungel ist hervorragend getroffen.

In einigen Rezensionen wurde bemängelt, Mode und äußere Erscheinung nähmen zu viel Raum ein. Das habe ich ganz anders empfunden. Gerade im Kontext der 1970er-Jahre erscheint es nur folgerichtig, dass das Auftreten einer Frau in einer der wichtigsten politischen Positionen eng mit Mode, Frisur und Selbstinszenierung verknüpft ist.

Und seien wir ehrlich: Das ist – leider – bis heute immer noch wichtiger als es sein sollte