Sehr spannend

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meggy. lex Avatar

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Der Roman entführt die Leserinnen und Leser in das Italien des Jahres 1822 und verbindet historische Fakten mit spekulativer Fantastik zu einer dichten, atmosphärischen Erzählung. Im Zentrum steht Mary Shelley, die nach dem Tod ihres Mannes Percy Bysshe Shelley im Golf von La Spezia zwischen Trauer, Schuld und wachsendem Misstrauen schwankt. War es wirklich nur ein tragisches Segelunglück – oder das Resultat dunkler Mächte, die bereits zuvor ihre Schatten warfen?
Die große Stärke des Romans liegt in seiner konsequenten Atmosphäre. Das winterliche Exil in Italien wirkt kalt, fremd und zugleich aufgeladen mit literarischer Geschichte. Die Autorin oder der Autor spielt geschickt mit der historischen Figur Mary Shelleys und verknüpft biografische Details mit übernatürlichen Elementen. Besonders die Erinnerungsreisen durch die „fantastische Technologie“ der Ermittlerin Pat Colombari schaffen einen reizvollen Kontrast zwischen Romantik und Science-Fiction. Dieser Kunstgriff mag nicht jedem gefallen, doch er eröffnet originelle Perspektiven auf bekannte Ereignisse.
Auch Nebenfiguren wie Lord Byron werden überzeugend in Szene gesetzt. Sein dunkles Geheimnis fügt der Handlung eine zusätzliche Spannungsebene hinzu, ohne ins Beliebige abzurutschen. Die Geschehnisse am Genfer See und in La Spezia verweben sich zu einem Netz aus Visionen, Aberglauben und existenziellen Fragen.
Insgesamt überzeugt der Roman durch seine stilistische Dichte und den Mut, historische Stoffe neu zu interpretieren. Kleine Schwächen zeigen sich gelegentlich im Tempo, wenn die philosophischen Passagen die Handlung bremsen. Dennoch bleibt die Geschichte fesselnd und regt zum Nachdenken an: über Kreativität, Verlust – und darüber, wie nah Genie und Wahnsinn beieinanderliegen können.