Eine dichte und atmosphärische Erzählung - für mich allerdings mit deutlich zu wenig Mary und Pat.
Wo sind meine Mary Shelley-Ultras? @backtothebooks_, Looking at you ;)
Man kennt die Geschichte der Autorin ja ein wenig, zumindest glaubt man das – dieses ewige Bild vom genialen Kopf, der mal eben ein Monster erfindet – und dann kommen "Die Geister von La Spezia" von Oliver Plaschka daher und verschieben den Fokus, weg vom Mythos, hin zu einer Frau, die trauert und nicht loskommt von dem, was war. Für mich, die ich eine halbe Stunde entfernt von Ingolstadt lebe, ein Must Read!
Im Zentrum also Mary, verzweifelt nach dem mysteriösen Tod von Percy Shelley. Neben ihr die Ermittlerin Pat, die eben nicht klassisch ermittelt, sondern sich in Erinnerungen einklinkt – ein Konzept, das erstmal nach Spielerei klingt, dann aber ziemlich schnell ernst wird, weil Erinnerungen hier keine Rückblicke sind, sondern eher ein unübersichtliches Gelände, durch das man sich durcharbeiten muss. Und hier wird es wirr: der Autor betreibt ein derartiges Namedropping der Autoren (bewusst nicht gegendert) der Romantik, dass jeder ohne passendes Studium kaum eine Chance hat, mitzukommen. Und genau da liegt für mich das Problem, oder sagen wir: ein Problem von mehreren, die sich nach und nach auftürmen, weil dieses Buch nicht einfach erzählt, sondern auslädt – Figuren, Namen, Beziehungen, Affären, Dramen, alles gleichzeitig, alles wichtig, alles irgendwie zu viel, sodass man sich stellenweise mehr sortierend als lesend wiederfindet, was der Atmosphäre zwar keinen Abbruch tut, dem Lesefluss aber schon.
Die Atmosphäre hingegen gefällt mir sehr: dieses Italien, dieses Schwere, diese Trauer, die sich durchzieht, ohne jemals wirklich leiser zu werden, und auch die Grundidee mit den Erinnerungsreisen hat etwas, das hängen bleibt, weil sie eben genau das macht, was sie soll: zeigen, wie brüchig, wie subjektiv, wie unzuverlässig Erinnerung ist. Aber sie bleibt auch vage, oft zu vage, weil Regeln fehlen, weil Zusammenhänge nicht klar genug werden, weil man sich vieles selbst zusammensuchen muss, während gleichzeitig immer neue Ebenen dazukommen, die das Ganze nicht unbedingt klarer machen.
Mary selbst funktioniert für mich am besten, vielleicht auch, weil ihre Trauer greifbar ist, weil sie nicht nur Figur, sondern Zustand ist – und trotzdem rutscht sie immer wieder aus dem Fokus, was irritiert, weil sie ja eigentlich der Kern sein sollte, während Pat zwar spannend angelegt ist, aber auf Distanz bleibt.
Ich bin drangeblieben, obwohl ich mehrfach kurz davor war auszusteigen, einfach weil diese Mischung aus literarischem Zirkel, persönlichem Drama und übernatürlicher Idee etwas hat, das neugierig macht – aber es bleibt dieses Gefühl, dass hier sehr viel gewollt ist und nicht alles aufgeht.
Am Ende ist das so ein Buch, das man eher respektiert als wirklich mag, weil es sich nicht anbiedert, weil es fordert, weil es keine Lust hat, einfach nur zu funktionieren – was ich grundsätzlich gut finde, aber es macht das Lesen eben auch anstrengend. Dieser Roman braucht Zeit, Auseinandersetzung und Vorwissen rund um die Literatur der Romantik. Es ist kein Easy Read, sondern eine dichte und atmospährische Erzählung - für mich als feministisch geprägte Leserin allerdings mit deutlich zu wenig Mary und Pat.
Man kennt die Geschichte der Autorin ja ein wenig, zumindest glaubt man das – dieses ewige Bild vom genialen Kopf, der mal eben ein Monster erfindet – und dann kommen "Die Geister von La Spezia" von Oliver Plaschka daher und verschieben den Fokus, weg vom Mythos, hin zu einer Frau, die trauert und nicht loskommt von dem, was war. Für mich, die ich eine halbe Stunde entfernt von Ingolstadt lebe, ein Must Read!
Im Zentrum also Mary, verzweifelt nach dem mysteriösen Tod von Percy Shelley. Neben ihr die Ermittlerin Pat, die eben nicht klassisch ermittelt, sondern sich in Erinnerungen einklinkt – ein Konzept, das erstmal nach Spielerei klingt, dann aber ziemlich schnell ernst wird, weil Erinnerungen hier keine Rückblicke sind, sondern eher ein unübersichtliches Gelände, durch das man sich durcharbeiten muss. Und hier wird es wirr: der Autor betreibt ein derartiges Namedropping der Autoren (bewusst nicht gegendert) der Romantik, dass jeder ohne passendes Studium kaum eine Chance hat, mitzukommen. Und genau da liegt für mich das Problem, oder sagen wir: ein Problem von mehreren, die sich nach und nach auftürmen, weil dieses Buch nicht einfach erzählt, sondern auslädt – Figuren, Namen, Beziehungen, Affären, Dramen, alles gleichzeitig, alles wichtig, alles irgendwie zu viel, sodass man sich stellenweise mehr sortierend als lesend wiederfindet, was der Atmosphäre zwar keinen Abbruch tut, dem Lesefluss aber schon.
Die Atmosphäre hingegen gefällt mir sehr: dieses Italien, dieses Schwere, diese Trauer, die sich durchzieht, ohne jemals wirklich leiser zu werden, und auch die Grundidee mit den Erinnerungsreisen hat etwas, das hängen bleibt, weil sie eben genau das macht, was sie soll: zeigen, wie brüchig, wie subjektiv, wie unzuverlässig Erinnerung ist. Aber sie bleibt auch vage, oft zu vage, weil Regeln fehlen, weil Zusammenhänge nicht klar genug werden, weil man sich vieles selbst zusammensuchen muss, während gleichzeitig immer neue Ebenen dazukommen, die das Ganze nicht unbedingt klarer machen.
Mary selbst funktioniert für mich am besten, vielleicht auch, weil ihre Trauer greifbar ist, weil sie nicht nur Figur, sondern Zustand ist – und trotzdem rutscht sie immer wieder aus dem Fokus, was irritiert, weil sie ja eigentlich der Kern sein sollte, während Pat zwar spannend angelegt ist, aber auf Distanz bleibt.
Ich bin drangeblieben, obwohl ich mehrfach kurz davor war auszusteigen, einfach weil diese Mischung aus literarischem Zirkel, persönlichem Drama und übernatürlicher Idee etwas hat, das neugierig macht – aber es bleibt dieses Gefühl, dass hier sehr viel gewollt ist und nicht alles aufgeht.
Am Ende ist das so ein Buch, das man eher respektiert als wirklich mag, weil es sich nicht anbiedert, weil es fordert, weil es keine Lust hat, einfach nur zu funktionieren – was ich grundsätzlich gut finde, aber es macht das Lesen eben auch anstrengend. Dieser Roman braucht Zeit, Auseinandersetzung und Vorwissen rund um die Literatur der Romantik. Es ist kein Easy Read, sondern eine dichte und atmospährische Erzählung - für mich als feministisch geprägte Leserin allerdings mit deutlich zu wenig Mary und Pat.