Spannung erster Klasse!

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pitchb Avatar

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In Die Geister von La Spezia von Oliver Plaschka steht eine Reise im Mittelpunkt, die eigentlich etwas ganz anderes werden sollte. Statt Erholung und Abstand wartet auf die Protagonistin eine Geschichte, die sich Stück für Stück entfaltet und dabei immer düsterer wird. Alte Legenden, seltsame Begegnungen und eine Atmosphäre, die sich langsam, aber sicher zuspitzt, sorgen dafür, dass man als Leser/in kaum Luft holen kann. Und genau das ist auch der Punkt: Dieses Buch lebt von seiner Stimmung.

Zu Beginn wirkt der Roman fast ruhig. Man lernt die Figuren kennen, begleitet sie durch die ersten Tage in La Spezia und bekommt ein Gefühl für das Setting. Doch relativ schnell kippt diese Ruhe. Kleine Ungereimtheiten schleichen sich ein, Dinge passieren, die sich nicht sofort erklären lassen. Ab da entwickelt sich die Geschichte in eine Richtung, die man zwar erahnen kann, die aber trotzdem immer wieder überrascht.

Ich finde, dass das unglaublich gut umgesetzt wurde. Vor allem die Atmosphäre hat mich komplett abgeholt. Man merkt, wie viel Wert darauf gelegt wurde, dass sich alles stimmig anfühlt. Die Umgebung, die Geschichte der Stadt, die übernatürlichen Elemente – das greift alles ineinander, ohne überladen zu wirken. Es ist eher ein schleichender Horror, der sich im Hintergrund aufbaut, als etwas, das einen direkt anspringt.

Was mir besonders gefallen hat, ist die Art, wie mit Spannung gearbeitet wird. Es gibt keine unnötigen Schockmomente, sondern eher dieses konstante Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Und genau das zieht sich durch das ganze Buch. Man liest weiter, weil man verstehen will, was da eigentlich passiert – und gleichzeitig hat man dieses leichte Unbehagen, das einen begleitet.

Die Figuren sind dabei greifbar und wirken nie wie bloße Mittel zum Zweck. Ihre Reaktionen sind nachvollziehbar, auch wenn die Situation zunehmend eskaliert. Gerade dieser Kontrast zwischen „normalem“ Verhalten und dem, was um sie herum passiert, macht vieles noch intensiver.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dieser Roman vor allem durch seine Atmosphäre und seinen langsamen Spannungsaufbau überzeugt. Es ist kein lauter Horror, sondern einer, der sich leise entwickelt und genau dadurch hängen bleibt. Man merkt, dass hier bewusst mit Erwartungen gespielt wird, ohne sich in Klischees zu verlieren.