Ungewöhnlicher Roman mit besonderem Schreibstil
„Die Geister von La Spezia“ von Oliver Plaschka ist ein historischer Fantasy-Roman mit Mystery- und Krimielementen, der reale Persönlichkeiten der Literaturgeschichte mit übernatürlichen Ideen verbindet. Besonders angesprochen hat mich direkt der Klappentext, vor allem weil Mary Shelley, die Autorin von Frankenstein, hier eine zentrale Rolle spielt. Dazu noch dieses düstere Italien, ein mysteriöser Todesfall und Erinnerungsreisen? Das klang für mich nach einer wirklich ungewöhnlichen Mischung.
Die Geschichte spielt im Jahr 1822 in Italien. Mary Shelley trauert um ihren Mann Percy Bysshe Shelley, der bei einem Segelunglück im Golf von La Spezia ums Leben gekommen sein soll. Doch relativ schnell entsteht dieses Gefühl, dass an der ganzen Sache vielleicht doch mehr dran ist. Als dann Pat Colombari auftaucht, eine ziemlich exzentrische Ermittlerin, die nicht klassisch ermittelt, sondern mithilfe einer Art Technik in Erinnerungen eintauchen kann, beginnt eine sehr besondere Spurensuche. Ab da verschwimmen Realität, Wahrnehmung und Erinnerung immer stärker miteinander, und genau das macht die Geschichte einerseits spannend, andererseits aber auch ziemlich anspruchsvoll.
Ich muss ehrlich sagen, dass mich die Handlung zwar interessiert hat, ich aber nicht immer sofort folgen konnte. Der Roman springt zwischen verschiedenen Zeiten, Perspektiven und Erinnerungsebenen, was thematisch total gut passt, weil Erinnerungen subjektiv und unzuverlässig sind. Trotzdem hat es mir das Lesen manchmal wirklich nicht leicht gemacht. Gerade am Anfang war ich öfter an dem Punkt, an dem ich kurz überlegen musste, wo ich eigentlich gerade bin und worauf das Ganze hinauslaufen soll. Es passiert viel, aber der zentrale Konflikt bleibt lange eher im Hintergrund. Erst im späteren Verlauf wird die Geschichte für mich dichter, spannender und auch emotional greifbarer.
Was mir persönlich gut gefallen hat, ist die Grundidee der Erinnerungsreisen, weil sie der Geschichte etwas sehr Eigenes gibt. Es entsteht eine interessante Komplexität, weil Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt werden und sich dadurch ständig neue Wahrheiten ergeben. Gleichzeitig bleibt mir hier vieles etwas zu vage erklärt. Ich hätte mir an manchen Stellen einfach ein bisschen mehr Klarheit gewünscht, wie genau diese „Technik“ funktioniert und welche Regeln dahinterstecken.
Das Setting hat mich ehrlich gesagt am meisten abgeholt. Italien im 19. Jahrhundert wird hier unglaublich atmosphärisch dargestellt. Egal ob La Spezia, Genua oder die anderen Schauplätze, alles wirkt sehr lebendig, aber gleichzeitig auch schwer, melancholisch und ein bisschen düster. Diese Stimmung zieht sich durch das gesamte Buch und passt perfekt zu den Themen Verlust, Erinnerung und den Geheimnissen, die die Geschichte trägt.
Bei den Figuren hatte ich ein gemischtes Gefühl. Mary Shelley fand ich als Figur gut gelungen, ihre Trauer ist sehr greifbar und sie wirkt gleichzeitig verletzlich und neugierig, aber auch mutig. Trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie nicht ganz so stark im Mittelpunkt steht, wie ich es erwartet hätte. Pat Colombari ist dagegen eindeutig die treibende Kraft der Handlung. Sie ist eigenwillig, etwas exzentrisch und bringt viel Bewegung in die Geschichte, aber sie bleibt auch ziemlich rätselhaft. Genau das fand ich interessant, gleichzeitig hätte ich mir aber auch hier mehr Hintergrund und Tiefe gewünscht. Auch historische Figuren wie Lord Byron tauchen auf und bringen zusätzliche Spannung hinein, was mir gut gefallen hat. Man merkt, dass der Roman stark auf realen Biografien basiert, die hier in einen neuen, fantastischen Kontext gesetzt werden. Ein gewisses Interesse an der Literatur und Geschichte des 19. Jahrhunderts hilft definitiv beim Lesen.
Der Schreibstil ist so ein Punkt, der mich gleichzeitig beeindruckt und manchmal auch etwas ausgebremst hat. Er ist sehr bildhaft, teilweise poetisch und hat eine klare sprachliche Sorgfalt, die man beim Lesen merkt. Gleichzeitig sorgt genau das aber auch dafür, dass sich das Buch stellenweise etwas schwer liest. Es ist kein schneller, unkomplizierter Stil, sondern einer, der Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. Und als Leser*in sollte man sich darauf einlassen können.
Das Tempo ist insgesamt eher ruhig. Es gibt viele atmosphärische, dichte Passagen, die mich richtig gut abgeholt haben, aber auch einige Abschnitte, die sich etwas gezogen haben. Besonders im ersten Teil hatte ich das Gefühl, dass viele Figuren eingeführt werden, ohne dass ich sofort ihren Platz in der Geschichte klar greifen konnte. Das hat meinen Lesefluss etwas gebremst. Gegen Ende nimmt die Spannung aber deutlich zu und die Geschichte entwickelt eine stärkere Sogwirkung.
Inhaltlich geht der Roman auch über die reine Handlung hinaus. Er stellt Fragen über Wahrheit, Erinnerung und moralische Entscheidungen, ohne einfache Antworten zu liefern. Besonders interessant fand ich dabei auch die Darstellung von Marys Lebenssituation und den gesellschaftlichen Grenzen, denen Frauen in dieser Zeit ausgesetzt waren.
Ich bin am Ende ehrlich gesagt ein bisschen hin- und hergerissen. Die Idee ist wirklich stark, die Atmosphäre sehr dicht und der Schreibstil beeindruckend. Gleichzeitig war mir die Handlung stellenweise zu verworren und das Tempo zu ungleichmäßig. Manche Aspekte vor allem rund um Pat und die „Technik“ der Erinnerungsreise blieben mir zu undeutlich erklärt. Hier hätte ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen gewünscht.
Fazit:
„Die Geister von La Spezia“ von Oliver Plaschka ist ein atmosphärisch dichter, ungewöhnlicher Roman mit einer spannenden Grundidee und einem sehr besonderen Schreibstil. Gleichzeitig ist er nicht ganz einfach zu lesen, und stellenweise etwas verwirrend. Wer Geduld und Konzentration mitbringt und sich für Literaturgeschichte interessiert, wird hier definitiv einiges entdecken können. Ich mochte die Geschichte, auch wenn sie mich nicht durchgehend packen konnte.
Die Geschichte spielt im Jahr 1822 in Italien. Mary Shelley trauert um ihren Mann Percy Bysshe Shelley, der bei einem Segelunglück im Golf von La Spezia ums Leben gekommen sein soll. Doch relativ schnell entsteht dieses Gefühl, dass an der ganzen Sache vielleicht doch mehr dran ist. Als dann Pat Colombari auftaucht, eine ziemlich exzentrische Ermittlerin, die nicht klassisch ermittelt, sondern mithilfe einer Art Technik in Erinnerungen eintauchen kann, beginnt eine sehr besondere Spurensuche. Ab da verschwimmen Realität, Wahrnehmung und Erinnerung immer stärker miteinander, und genau das macht die Geschichte einerseits spannend, andererseits aber auch ziemlich anspruchsvoll.
Ich muss ehrlich sagen, dass mich die Handlung zwar interessiert hat, ich aber nicht immer sofort folgen konnte. Der Roman springt zwischen verschiedenen Zeiten, Perspektiven und Erinnerungsebenen, was thematisch total gut passt, weil Erinnerungen subjektiv und unzuverlässig sind. Trotzdem hat es mir das Lesen manchmal wirklich nicht leicht gemacht. Gerade am Anfang war ich öfter an dem Punkt, an dem ich kurz überlegen musste, wo ich eigentlich gerade bin und worauf das Ganze hinauslaufen soll. Es passiert viel, aber der zentrale Konflikt bleibt lange eher im Hintergrund. Erst im späteren Verlauf wird die Geschichte für mich dichter, spannender und auch emotional greifbarer.
Was mir persönlich gut gefallen hat, ist die Grundidee der Erinnerungsreisen, weil sie der Geschichte etwas sehr Eigenes gibt. Es entsteht eine interessante Komplexität, weil Ereignisse aus unterschiedlichen Blickwinkeln erlebt werden und sich dadurch ständig neue Wahrheiten ergeben. Gleichzeitig bleibt mir hier vieles etwas zu vage erklärt. Ich hätte mir an manchen Stellen einfach ein bisschen mehr Klarheit gewünscht, wie genau diese „Technik“ funktioniert und welche Regeln dahinterstecken.
Das Setting hat mich ehrlich gesagt am meisten abgeholt. Italien im 19. Jahrhundert wird hier unglaublich atmosphärisch dargestellt. Egal ob La Spezia, Genua oder die anderen Schauplätze, alles wirkt sehr lebendig, aber gleichzeitig auch schwer, melancholisch und ein bisschen düster. Diese Stimmung zieht sich durch das gesamte Buch und passt perfekt zu den Themen Verlust, Erinnerung und den Geheimnissen, die die Geschichte trägt.
Bei den Figuren hatte ich ein gemischtes Gefühl. Mary Shelley fand ich als Figur gut gelungen, ihre Trauer ist sehr greifbar und sie wirkt gleichzeitig verletzlich und neugierig, aber auch mutig. Trotzdem hatte ich manchmal das Gefühl, dass sie nicht ganz so stark im Mittelpunkt steht, wie ich es erwartet hätte. Pat Colombari ist dagegen eindeutig die treibende Kraft der Handlung. Sie ist eigenwillig, etwas exzentrisch und bringt viel Bewegung in die Geschichte, aber sie bleibt auch ziemlich rätselhaft. Genau das fand ich interessant, gleichzeitig hätte ich mir aber auch hier mehr Hintergrund und Tiefe gewünscht. Auch historische Figuren wie Lord Byron tauchen auf und bringen zusätzliche Spannung hinein, was mir gut gefallen hat. Man merkt, dass der Roman stark auf realen Biografien basiert, die hier in einen neuen, fantastischen Kontext gesetzt werden. Ein gewisses Interesse an der Literatur und Geschichte des 19. Jahrhunderts hilft definitiv beim Lesen.
Der Schreibstil ist so ein Punkt, der mich gleichzeitig beeindruckt und manchmal auch etwas ausgebremst hat. Er ist sehr bildhaft, teilweise poetisch und hat eine klare sprachliche Sorgfalt, die man beim Lesen merkt. Gleichzeitig sorgt genau das aber auch dafür, dass sich das Buch stellenweise etwas schwer liest. Es ist kein schneller, unkomplizierter Stil, sondern einer, der Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. Und als Leser*in sollte man sich darauf einlassen können.
Das Tempo ist insgesamt eher ruhig. Es gibt viele atmosphärische, dichte Passagen, die mich richtig gut abgeholt haben, aber auch einige Abschnitte, die sich etwas gezogen haben. Besonders im ersten Teil hatte ich das Gefühl, dass viele Figuren eingeführt werden, ohne dass ich sofort ihren Platz in der Geschichte klar greifen konnte. Das hat meinen Lesefluss etwas gebremst. Gegen Ende nimmt die Spannung aber deutlich zu und die Geschichte entwickelt eine stärkere Sogwirkung.
Inhaltlich geht der Roman auch über die reine Handlung hinaus. Er stellt Fragen über Wahrheit, Erinnerung und moralische Entscheidungen, ohne einfache Antworten zu liefern. Besonders interessant fand ich dabei auch die Darstellung von Marys Lebenssituation und den gesellschaftlichen Grenzen, denen Frauen in dieser Zeit ausgesetzt waren.
Ich bin am Ende ehrlich gesagt ein bisschen hin- und hergerissen. Die Idee ist wirklich stark, die Atmosphäre sehr dicht und der Schreibstil beeindruckend. Gleichzeitig war mir die Handlung stellenweise zu verworren und das Tempo zu ungleichmäßig. Manche Aspekte vor allem rund um Pat und die „Technik“ der Erinnerungsreise blieben mir zu undeutlich erklärt. Hier hätte ich mir etwas mehr Hintergrundinformationen gewünscht.
Fazit:
„Die Geister von La Spezia“ von Oliver Plaschka ist ein atmosphärisch dichter, ungewöhnlicher Roman mit einer spannenden Grundidee und einem sehr besonderen Schreibstil. Gleichzeitig ist er nicht ganz einfach zu lesen, und stellenweise etwas verwirrend. Wer Geduld und Konzentration mitbringt und sich für Literaturgeschichte interessiert, wird hier definitiv einiges entdecken können. Ich mochte die Geschichte, auch wenn sie mich nicht durchgehend packen konnte.