Entspannt und zufrieden durch die Wintermonate
„Die Geschenke des Winters“ ist eine inspirierende Lektüre, liebevoll geschrieben von der britischen klinischen Psychologin Dr. Stephanie Fitzgerald. Als Neuropsychologin und Expertin für das Zusammenspiel von Gehirn, Verhalten und Umwelt beschäftigt sie sich intensiv mit dem Einfluss von Jahreszeiten auf das Wohlbefinden. Ihre wissenschaftliche Expertise verknüpft sie dabei harmonisch mit persönlichen Erfahrungen, was ich sehr mochte, weil sie die Autorin als Mensch so nahbar machte. Der Ratgeber, herausgegeben bei dtv, ist leicht verständlich geschrieben, die insgesamt 288 Seiten verteilen sich auf 16 Kapitel. Das ruhige Cover wirkt durch das Azurblau mit der goldenen Schrift stimmungsvoll, fast ein wenig edel und festlich. Insgesamt ist das Buch auf allen Seiten liebevoll und mit Bedacht gestaltet. Das Layout mutet frisch an und bietet Abwechslung durch farblich abgesetzte Überschriften, fröhliche, winzige Skizzen von Luftballons, einem Sparschwein oder Blumenkranz, ohne zu überfrachten. Ein festes Element und einprägsames Werkzeug sind die „Aktivitäten“, die die Psychologin jeweils passend zu den Kapiteln empfiehlt. Inhaltlich bietet das Buch eine Fülle an Informationen, die weit über das Thema Winterblues hinausreichen. Man spürt die wissenschaftliche Seite, wenn Fitzgerald von empirischen Erhebungen berichtet, über Depressionen schreibt, von denen sie selber betroffen ist, oder die Auswirkungen von Außenfaktoren auf die Gehirnaktivität schreibt. Das macht das Buch für mich so wertvoll und auch glaubhaft. Im Verlaufe der Lektüre bin ich sogar zum Ergebnis gekommen, dass sich viele Erkenntnisse auch auf das gesamte Jahr übertragen lassen. Der Winter sticht halt bei vielen Menschen besonders heraus, weil er so ein schlechtes Image hat und mit Dunkelheit, Kälte, Einsamkeit, Depression verbunden wird. Daran trage jedoch der Winter als Jahreszeit keine Schuld, sondern liege vielmehr an unserer eigenen gefühlsmäßigen Wahrnehmung, Verknüpfung von Gefühlen und deren Bewertung. Der Vorteil laut Fitzgerald: Darauf haben wir Einfluss! Erfolgsversprechend sei, sich der Jahreszeit anzupassen und sich entsprechend darauf vorzubereiten. So beeinflussen beispielsweise Farben und die Beschaffenheit von Stoffen unsere Gefühle. Mit diesem Wissen ausgestattet, könne man sowohl seine Kleidung als auch sein Umfeld dahin gehend ausrichten und sich somit einstimmen auf eine gemütliche und angenehme Zeit. Die Tiere und Pflanzen machen es uns vor: Der Winter dient zur Regeneration, Erholung, Entschleunigung, dem Kräftesammeln, um danach erholt ins Frühjahr zu starten. Wir Menschen hingegen haben es ein Stück weg verlernt, zu entschleunigen. Anstatt emotionale Verbindungen zu Menschen durch gemütliches Beisammensein und gemeinsamem Essen zu vertiefen, verliere man sich in den Welten von Internet, TV, Handy. Sogar in der Nacht, wenn Körper und Geist dringend zur Ruhe kommen sollten. Auch die Weihnachtszeit entpuppe sich eher als hektischer Geschenkemarathon verbunden mit konfliktbehafteten Familienfeiern und ausuferndem Essmarathon. Wie verlockend und erlösend hier doch die Aussage der Psychologin klingt, dass man sich gerne aus diesen gesellschaftlichen Ritualen verabschieden darf, indem man sich ehrlich hinterfrage, was man denn wolle, und dies dann auch mutig kommunizieren solle: „Wir dürfen jedes Jahr eine ruhige Weihnachtsgeschichte für uns selbst erfinden“. Wie man hier unschwer erkennt, ist dieses Buch ein hilfreicher Ratgeber über das eigentliche Thema hinaus. Das macht es meines Erachtens so wertvoll, und ich werde es sicherlich noch häufiger in die Hand nehmen. Nicht alles, was Fitzgerald vorschlägt, hat mich angesprochen. Muss es ja auch nicht. Aber es waren ausreichend Ideen dabei, die sich für mich klug und umsetzbar anfühlen. Vielleicht ja an Weihnachten oder Silvester, wenn ich für mich beschließe, diese Zeit diesmal in Stille und Besinnung für mich zu nutzen. Vielleicht backe ich dann ja auch ein Brot, koche ein schmackhaftes Menü mit saisonalen Zutaten und Gewürzen, hülle mich in eine Kuscheldecke und trinke einen wärmenden Tee, besuche ein Café oder Museum, oder aber lade Menschen ein, die mir guttun. Vielleicht schreibe ich auch einen Brief an mich selbst, an mein „zukünftiges Ich“. Die vielfältigen Anregungen der Autorin haben mich ins Reflektieren gebracht. Dieses Buch ist wie eine kleine Schatzkarte, die dazu beitragen kann, eigene verborgene Schätze aufzuspüren und wieder zum Leben zu erwecken. Wer bereit ist, sich auf das Buch einzulassen, wird sicherlich hier auch fündig werden. Ich empfehle das Buch gerne weiter.