Etwas zu viel, ich muss den Winter umarmen

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murksy Avatar

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Eine Psychologin, die an SAD, Allergien und diversen Phobien leidet (Angst vor Schnee) legt hier ein sehr esoterisch angehauchtes Buch über den Winter vor. Als wäre der Winter eine deutlich schlimmere Jahreszeit, als alle anderen. An Winterdepression leiden 1-2 Prozent der Bevölkerung, an Sommerdepression 2-4, nur mal als Vergleich. Trotzdem bekommt man beim Lesen des Buches das Gefühl, alle anderen Jahreszeiten wären voller Energie und nur im Winter müssen wir darum kämpfen, nicht in ein Loch zu fallen. Da ich selber ein Psychologin in der Familie habe, ihr Urteil zu diesem Buch verschweige ich aus höflichen Gründen, weiß ich natürlich, dass es viele Menschen gibt, die jahreszeitbedingt in Stress geraten oder ernsthafte Probleme bekommen. Aber betrachten wir uns den Sommer mit zigtausend Hitzetoten und Existenzängsten von Bauern, sehe ich die Jahreszeiten ausgeglichen. Ich bin da vielleicht auch der falsche Leser, da ich den Winter lieb und mich schon im Frühjahr auf die nächsten Runden mit den Langlaufskiern freue. Gut ist, dass die Autorin durchaus brauchbare Tipps gibt, wie Tageslichtlampen oder Sport. Allerdings sieht man an ihren Ausführungen zum Sport, genauso wie bei ihren erstaunten Erkenntnissen zu Kurkuma und Knoblauch, dass ihr Wissen nicht allzu gefestigt ist. Sport ist eine mittlerweile anerkannte Medizin gegen Depressionen, nur reicht es nicht, im Winter damit anzufangen.
Eine Aussage von ihr kann man gar nicht stehen lassen. Nämlich, dass das Gehirn pessimistisch eingestellt sei. Ganz im Gegenteil, das Gehirn erinnert sich eher an positive Ereignisse, Misserfolge werden weniger gewertet, als Erfolge, das Gehirn lässt nicht zu, dass wir uns in der Zukunft vorstellen können. Ohne diese Optimierungseigenschaften würde kein Kind nach einem Sturz wieder auf das Fahrrad steigen. Hier liegt die Autorin also falsch. Auch der Ratschlag, Schulen und Arbeitgeber sollten die Anfangszeiten im Winter verschieben, klingt zwar nett, aber daran hängt ja noch viel mehr. Auch die Idee, seinen Jahresurlaub in den Winter zu verlegen, funktioniert bei Menschen, die sich ihre Arbeitszeit einteilen können vielleicht gut. Normalverdiener mit Kindern sind nun einmal an die Sommerferien gebunden. Also, viele Geschreibe um den Winter, teilweise brauchbare Ratschläge aber zu viel „ich muss den Winter lieben und umarmen und mein Schlafzimmer an ihn anpassen“.

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